Tag 1 – Nagoya

Wir landen pünktlich in Nagoya. Oder besser gesagt auf dem Flughafen Chūbu. Der liegt auf einer künstlichen Insel nahe der Stadt Tokoname.  Kein Wunder also, dass ich glaube, der Airbus würde gleich  zum Wasserflugzeug mutieren.

Landeanflug

Wir werden erwartet. Mit dem Töchterlein und ihrem Partner ist der neuseeländische Teil unserer Familie schon am Vortag aus Auckland angereist und begrüßt uns ebenso wie die Mama unserer ehemaligen japanischen Gasttochter. Wir haben Yasuko bisher nur auf Fotos gesehen, erkennen uns aber sofort. Es ist ein sehr, sehr herzlicher Empfang. Zunächst natürlich ein wenig geprägt von Nervosität. Auf allen Seiten. Weil man sich in Japan ja eigentlich zur Begrüßung nur verbeugt und nicht die Hand gibt oder sich sogar umarmt. Spontan aber wäre mir jetzt nach Letzterem. Ich nehme mich zurück, beobachte und warte (lieber) ab. Zum Glück ergreift Yasuko sofort die Initiative. Später werden wir uns noch so manches Mal in den Armen liegen. Die Chemie stimmt. Ich bin sehr froh darüber.

Mit dem Regionalzug fahren wir nach Nagoya und bringen erst einmal die Koffer ins Hotel. Da zu so früher Vormittagsstunde das gebuchte Zimmer noch nicht beziehbar ist, stellen wir unser Gepäck erst einmal in das Zimmer unserer Kiwis. Dann ist es aber in all seiner Winzigkeit auch voll. Nun schnell duschen und umziehen. Anschließend meldet sich der kleine Hunger. Nicht bei mir, denn ich bin viel zu aufgeregt, um auch nur einen Bissen herunter zu bekommen. Mir reicht ein Eistee. Der beste Mit-Stäbchen-Esser von allen gönnt sich dieses kalte, etwas glibberige Frühstück: Shirataki-Nudeln mit Sesam.

An dieser Stelle warne ich schon mal vorsorglich vor: Es werden im Laufe der Zeit noch unendlich viele Fotos von japanischem Essen folgen. ;-)

nizube_mit_sesamNach den Stunden im Flugzeug – an Schlaf war irgendwie nicht zu denken – haben wir keine Lust auf einen Stadtrundgang. Perfekt wäre, ein Museum anzusehen. In die engere Auswahl kommen das Toyota Technik Museum und das Eisenbahnmuseum „SCMAGLEV and Railway Park“. Wir entscheiden uns gemeinsam mit Yasuko für das Letztere.

Das Museum liegt quasi vor der Tür des Bahnhofs Kinjofuto, etwa eine halbe Stunde außerhalb der Innenstadt Nagoyas. In den kommenden Stunden erleben wir eine Zeitreise durch die Geschichte der japanischen Eisenbahnen. Neben der beeindruckenden Ausstellung von alten und neuen Zügen in einer großen Halle

Railway_Park_Nagoya_1

und einer H0-Modelleisenbahn mit dem schönen Namen „ein Tag im Leben der Eisenbahn“

Railway_Park_Nagoya_Modelleisenbahn

gibt es auch die Möglichkeit, selbst in einem Simulator Zug zu fahren.  Ich möchte mich nicht blamieren und gucke lieber zu.

Railway_Park_Nagoya_Simulator

Die große C62, die uns quasi gleich nach dem Eintritt ins Museum begrüßt, ist die größte und schnellste Dampflok Japans. C62 17 (Baujahr 1948) wiegt 97,75 Tonnen bei 21.475 Metern Länge und brachte im Dezember 1954 beachtliche 129 km/h auf die Schienen.  Damit erreichte sie einen Geschwindigkeitsrekord für Schmalspurbahnen.

Railway_Park_Nagoya_C62

Wie es sich wohl anfühlen mag, in einem Zug zu sitzen, der mit unglaublichen 581 km/h durch die Landschaft rauscht?  Die Magnetschwebebahn Maglev MLX01-1 hat es 2003 geschafft und hält damit den Geschwindigkeitsweltrekord.

Railway_Park_Nagoya_MLX01_1

Neben den Zügen wird auch gezeigt, wie sich die Sicherheits- und Steuerungstechnik weiter entwickelt hat.  Für Eisenbahnfans ist die Ausstellung schon deshalb ein Paradies, weil viele der aktuell 39 gezeigten Züge begehbar sind.  Ein Audio-Guide, den es auch auf Deutsch gibt, rundet den Besuch ab. Wir haben ihn nicht benutzt. Ich hätte es Yasuko gegenüber als unhöflich empfunden, weil man dann zu sehr „fremdbestimmt“ ist.

Das Museum hat mir sehr gut gefallen. Man spürt in ihm deutlich den Stolz Japans auf die Technik ihrer Hochgeschwindigkeitszüge. Können sie auch sein. Und auf die Pünktlichkeit im Schienenverkehr. (Wir werden in den kommenden zwei Wochen nur ein einziges Mal eine kleine Verspätung erleben und dies als besonderes Ereignis bemerken.)

Es ist später Nachmittag. Inzwischen meldet sich knurrend der Magen.

Viele Restaurants in Japan zeigen in ihren Schaufenstern schon mal, was sie so zu bieten haben. Das erweist sich als besonders komfortabel, wenn man als Nichtjapaner  die Schriftzeichen nicht lesen kann.

Essen-im-Schaufenster

Ich lerne, dass einem auch beim Anblick von Plastik das Wasser im Munde zusammenlaufen kann. ;-)

Tonkatsu

Für mich gibt es Tonkatsu. Diese spezielle Art von Schweineschnitzel auf Reis habe ich von meinem ersten Aufenthalt in Japan noch in guter Erinnerung.

Lunch

Nach dem Essen tauschen wir am Bahnhof noch den Voucher gegen die richtigen Japan Rail Pässe um. Danach verabschieden wir uns bis morgen von Yasuko. Satt und inzwischen ziemlich müde kehren wir ins Hotel zurück. Nicht, ohne noch vorher noch einen  Kanaldeckel fotografiert zu haben. (Wobei ich mir nicht sicher bin, welches Tier hier Pate gestanden hat. Ein Frosch, ein Grashüpfer, ein stilisierter Schmetterling?)

Kanaldeckel_Nagoya

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21 Antworten zu Tag 1 – Nagoya

  1. AndiBerlin schreibt:

    Hui wie spannend.
    Das Tonkatsu sieht aber lecker aus. „Schnitzel“ geht ja immer! :-)
    Hattest Du in Deiner Zeit in Japan auch die Gelegenheit Rumiko zu treffen?

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  2. ute42 schreibt:

    Das Essen sieht lecker aus. Ich fürchte, ich werde im Laufe deiner Berichte noch öfter Hunger bzw. Appetit bekommen.

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  3. minibares schreibt:

    Das Museum ist echt spannend.
    Eure Kiwis sind auch da, wie schön!

    Gefällt mir

  4. tigger0705 schreibt:

    Sehr gerne bitte mehr Fotos!!!
    Es erinnert mich gerade alles an meinen Aufenthalt in Japan!!! Danke!
    Lg Mel

    Gefällt 1 Person

  5. Gedankenkruemel schreibt:

    Bin begeistert, aber das weisst du ja :)
    Ich wäre da sooo gerne in deiner Kameratasche oder andere Tasche
    gewesen…Hach mal einen Simulator eines Shinkansen zu testen, das wäre Hammer..
    Und natürlich real mit ihnen zu fahren.
    So fern ich weiss bedeutet -Shinkansen – „Neue Stamban- in japanisch?
    Und
    Hokuriku Shinkansen der zuvor Nagano Shinkansen hiess wurde verlängert mit einer zweiten Etappe nach Kanazawa und wurde am 14 mars 2015.eröffnet.
    Und jetzt die Erste Etappe des Hokkaido Shinkansen bis Shin Hakodate wurde für Verkehr am 26 März 2016 geöffnet.

    Oh ich komme ins schwärmen…sorry..
    Danke fürs virtuelle mitnhemen…
    Oh ja die Japaner haben alles Recht stolz zu sein..Sie sind immer noch an erster Stelle
    mit Geschwindigkeitsweltrekord.

    Nimms mir nicht übel das die Shinkansen mich mehr interessieren als das Essen..
    auch wenn ich das natürlich auch testen würde :)

    Liebe Grüsse und danke fürs zeigen..

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  6. Anne schreibt:

    Hach, schön, deine ausführliche Bildberichterstattung! Und nicht nur die typischen Touristenstädte… Wir haben auch Lust, noch mal hinzufliegen, ich schreibe bei dir mit ;-)

    Mein Mann hörte mal einen Vortrag von einem der Konstrukteure des Shinkansen, der ihn sehr beeindruckte: Der japanische Zug sieht ja so „fischig“ an der „Schnauze“ aus – das dient u.a. der Lärmvermeidung, die Form wurde nicht nur für Geschwindigkeit optimiert.
    Beim deutschen ICE wurde die Geräuschentwicklung nicht mitbedacht, nun „dürfen“ z.B. die Kommunen für Lärmschutzwände zahlen…

    Gefällt 1 Person

  7. Higanbana schreibt:

    Das ominoese Tierle ist ein AMENBO アメンボ, ein japanischer Wasserlaeufer.
    Ob’s die gleiche Art ist wie in Deutschland weiss ich leider nicht, aber mindestens ein Verwandter ist es.

    Uebrigens habe ich angefangen, Kinderfotos zu sortieren, und dabei sind so einige Gullideckel, die ich fuer dich aufgenommen hatte, wieder aufgetaucht.

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  8. Higanbana schreibt:

    Ich habe das hier gefunden. アメンボは水のあるところへ素早く飛んでいきます。水(特に上水)は人の生命線なので、そうであって欲しいからみたいです。

    『名古屋市上下水道局』イメージキャラクター
    http://www.water.city.nagoya.jp/category/img_cha/1854.html

    Der Wasserlaeufer fliegt schnell dahin, wo Wasser ist. Wasser (besonders Trinkwasser) ist einer der Grundsteine fuer Leben. und wir moechten genauso sein.

    Die Wasserwerke von Nagoya.

    Gefällt 2 Personen

  9. Diamantin schreibt:

    Total interessant. Danke für die tollen Bilder und den Bericht.

    Lg Anett

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  10. streckenweise schreibt:

    Toll, jetzt will ich nach Japan. Und in dieses Museum. Kommt wohl doch so langsam mal auf die Liste meiner Wunschreiseziele, dieses Land.

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  11. Charis schreibt:

    Danke für die scharfen Fotos&die ausführliche Berichterstattung. Das Essen ist ja nicht so meins – Glasnudeln kenne ich aus dem Asia shop, sind aber viiel dünner … ;)
    Der Wasserläufer ist sehr interessant {ich hatte zuerst an einen mexikanischen Glückskäfer gedacht, der am Popocatépetl lebt} :D

    Gefällt 1 Person

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