… #Heimat

Woran denke ich eigentlich, wenn ich den Begriff „Heimat“ höre?

Ist es die kleine Stadt am Bodden, in der ich geboren wurde? Das kann ich ganz klar verneinen. Ist es die hanseatische Hafenstadt, die sich einst „Tor zur Welt“ nennen lassen musste und es doch nicht war? Dort habe ich fast meine komplette Schulzeit verbracht.  Nein, die ist es auch nicht (mehr). Ebensowenig wie die beiden Orte, in denen ich meine Berufsausbildung absolvierte oder studierte.

Seit 31 Jahren arbeite ich jetzt in Berlin. Seit 1989 wohne ich auch hier. Die Stadt hat mich sicherlich inzwischen geprägt. Nicht nur, was den mittlerweile angenommenen Dialekt angeht. Hier fühle mich wohl. Okay, manchmal auch nicht, aber das ist wohl völlig normal und geht anderen mit ihrer Heimat bestimmt auch so. Ich bin heimisch geworden. Glaube aber auch, dass ich dies an anderen Orten (auf der Welt) ebenso könnte, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, ich mich nicht alleine fühle und sozial eingebunden bin.

Interessanterweise knüpfe ich Heimat aber immer auch ein bisschen an Sprache. Diejenige, die sich Muttersprache nennt. In der ich mich differenziert ausdrücken, mit der ich spielen und wortmalen kann. Diesen Zustand werde ich in einer Fremdsprache wohl nicht mehr zu meiner Zufriedenheit erreichen.  Sollte ich also die hiesigen Gefilde einmal verlassen müssen, dann vermute ich, dass der Heimatbegriff in der Ferne plötzlich „deutsch“ werden würde. Huch, das liest sich jetzt ein bisschen spießig.  Klingt nach Bratwurst und Sauerkraut, nach Gartenzwerg und Strandkorb   ;-)

Der Volksmund (oder wer auch immer) hat Recht, wenn er sagt:

Heimat ist, wo wir den Lebensfaden festgemacht haben.

Hm, nur ein passendes Bild habe ich noch immer nicht vor Augen. Ich muss heute also ein wenig improvisieren.

Heimat

(Sunny lädt uns sonntags zum Projekt „Punkt.Punkt.Punkt.“ ein, bei dem wir zu einem vorgegebenen Thema passende Bilder beisteuern dürfen/können.)

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29 Antworten zu … #Heimat

  1. finbarsgift schreibt:

    Dort wo du bist ist deine Heimat: sie liegt in dir selbst :-)

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    • franhunne4u schreibt:

      Das sag den syrischen Flüchtlingen, mein lieber Finbar … ich glaube, die stimmen da nicht mit dir überein.

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      • finbarsgift schreibt:

        Das sind Kriegsvertriebene,
        derzeit ohne physische Heimat,
        ihre psychische liegt auch weiterhin in ihnen…

        Krieg ist immer furchtbar und zerstört alle Fragen und Antworten…

        Gefällt 3 Personen

        • franhunne4u schreibt:

          Weißt du, für meinen Großvater, der sein Leben in seinem eigenen Haus beenden konnte (also, nicht selber, er verstarb halt zuhause) war die Heimat Zeit seines Lebens (und er war immerhin 88) der Ort, an dem er geboren war. Allerdings muss man dazu sagen: Die ganze Ermland-Gemeinde hat sich in der Aufrechterhaltung des Gefühls stark hervor getan … Und doch muss er auch irgendwie in dem Dorf angekommen sein, in dem er jetzt beerdigt liegt – immerhin waren im Nullkommanix die Sargträger beisammen – alles Leute, die ihn persönlich kannten, wenn auch nicht alle seinen Vornamen gebrauchten und die aus dem Dorf kamen. Für ihn war diese Verbundenheit aber kein Grund, seine Heimat aufzuteilen in eine physische und eine psychische.

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          • finbarsgift schreibt:

            Dankeschön für diesen Einblick in deine Familiengeschichte…

            Bei mir ist das so:
            Mit meinem Geburtsort verbindet mich nichts,
            im Alter von drei Jahren musste ich ihn verlassen und das war, ist gut so.

            Meine Eltern zogen alle paar Jahre weiter von Ort zu Ort,

            nirgends wurde ich heimisch, überall blieb ich ein Fremder…

            Deshalb:
            meine psychische Heimat liegt in mir,
            eine physische habe ich nicht…

            Liebe Grüße vom Lu Finbar

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  2. Sandra schreibt:

    Hallo Frau Tonari,

    sehr schöne Improvisationsidee. Du hättest es noch auf den dreifachen Wortwert schieben können. In deinen Kommentaren schon erwähnt, ist das Wort ein wertvolles und nicht für jeden selbstverständlich.
    Deiner Sprachdefinition stimme ich auch zu. Wenn man sich mit anderen nicht so unterhalten kann, dass man Gefühle und Erlebtes genau wiedergeben kann, ist es schwierig sich daheim zu fühlen. Und mit Berlin hast du dir ein schönes Fleckchen Heimat ausgesucht ;-).

    Liebe Grüße
    Sandra

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  3. Marlene schreibt:

    Liebe Frau Tonari, mir geht es sehr ähnlich wie Dir, mit dem Ort, in dem ich geboren bin, verbindet mich nichts, weil ich ihn gar nicht bewusst erlebt hab. Wir sind weggezogen, als ich 2 Jahre alt war. Mit dem Ort, an dem wir die darauffolgenden 5 Jahre lebten, verbinde ich die schönsten Kindheitserinnerungen mit Freiheit, Abenteuer, Geborgenheit in einer Dorfgemeinschaft und mit einer Herzensfreundin. Aber ich könnte diesen Ort nicht als Heimat empfinden, weil er damals für ein Kind das Paradies sein konnte, aber aus heutiger Sicht keinesfalls. Es folgte noch eine weitere Station, die ich mit meiner gesamten Schul- und Lehrzeit verbinde, die ich noch manchmal besuche, weil mich irgendwas mit ihr verbindet? Und der Ort, der uns (da war aus“mir“ schon „uns“ geworden) hätte Heimat werden können, den haben wir freiwillig verlassen auf der Suche nach einer neuen Heimat. Und nun sind wir nach vielen weiteren Stationen in Berlin gelandet, der Vernunft und des Berufes wegen und sind dennoch weiter auf der Suche. Zumindest aber wissen wir inzwischen, wo uns das Herz wirklich hinzieht… und hoffen, dass wir in unserer nächsten Lebensphase dort „unsere Heimat“ finden. Ach wenn dazu der 14. Umzug notwendig wird. Mir geht es genau wir Dir, es wird das Land meiner Muttersprache sein, weil ich leider nicht sehr sprachgewandt bin und meine Gedanken und Gefühle in Worten ausdrücken zu können, ohne mehr oder weniger angenehme Missverständnisse heraufzubeschwören, ist für mich ebenso wichtig für ein Heimatgefühl wie das Umfeld, die Landschaft.
    Ich wünsche Dir, ungeachtet des Wetters, einen schönen Sonntag und eine angenehme Woche –
    Liebe Grüße von Lene

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  4. anneseltmann schreibt:

    Klasse Beschreibung und Umschreibung des Begriffes „Heimat“ Schön, wenn sich bei deiner Schilderung sofort Bilder vor dem geistigen Auge auftun!
    Und deine Bildumsetzung finde ich ja nun mal Oberklasse!!!

    Happy Valentin und liebe Grüße

    Anne

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  5. Wortmischer schreibt:

    Ach, wie schön! Ganz herzliche Glückwünsche zu dieser gleichermaßen anheimelnden wie anrührenden Geschichte über Vergangenheit und Wurzeln, die keinen Halt mehr bieten, und neue, die womöglich noch nicht all zu fest greifen. – Made my sunday.

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  6. Frau Momo schreibt:

    Meine Heimat ist die Stadt an der Elbe…. da bin ich verwurzelt, da fühle ich mich zuhause und es ist einfach meine Heimat, egal, wo ich gerade mal wieder bin.

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  7. Inch schreibt:

    Das ist witzig. In meinem Beitrag geht es auch um Sprache. Und ich schwöre, ich habe das geschrieben, bevor ich hier gelesen habe. Das mache ich bei dem Projekt immer, um mich nicht beeinflussen zu lassen

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  8. mohrle schreibt:

    mh..ich bin ja auch nicht von „hier“…nach Reisen freu ich mich immer, wenn ich wieder hier…zu Hause bin…aber irgendwie ist es immer so, dass,wenn ich nach Kökn/Koblenz fahre und ich über die Rheinbrücke daddel…dann…genau dann, denke ich in tiefster Inbrust: zu Hause!

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  9. monisertel schreibt:

    Liebe Tonari,
    mit gefällt Deine Umsetzung und auch Deine Interpretation dieses „Heimatgefühls“ sehr gut!
    Lieben Valentinsgruß
    moni

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  10. Diamantin schreibt:

    Schön improvisiert und geschrieben.

    Lg Anett

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  11. Anna-Lena schreibt:

    Heimat ist für mich eher ein inneres Gefühl, das Miteinander mit der Familie, der Ort, an dem mein Herz zuhause ist.
    Und da gibt es neben meinem realen Wohnort einen zweiten Ort, der mir viel bedeutet.
    LG Anna-Lena

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  12. Karin Müller schreibt:

    Ich glaube heutzutage muss der Begriff Heimat immer weiter gefasst werden. Der Ort der Geburt, des Aufwachsens ist oftmals nicht mehr der Ort an dem man bleiben kann oder auch bleiben möchte.
    Dein Sprachgedanke finde ich sehr interessant. Ich glaube wenn man sich nicht sprachlich sehr gut ausdrücken kann… wird man sich nie verwurzeln können.
    lg

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  13. minibares schreibt:

    Wir wohnen seit September 2013 hier im Münsterland.
    Wie haben 40 Jahre in Herten-Westerholt gelebt.
    Aber wir vermissen es nicht. Hier ist unsere Heimat.

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  14. Teamworkart schreibt:

    Dass Heimat auch an die Sprache gebunden ist, ist ein sehr interessanter Gedanke. Und ja, dem kann ich voll zustimmen, auf die Idee bin ich nie gekommen…
    Es gibt wirklich nichts Frustrierenderes, als in einer fremden Sprache nicht das ausdrücken zu können, was man wirklich meint und fühlt. Obwohl das ja in der Muttersprache schon schwer genug ist, denn die Worte, die man sagt, können ja sehr leicht auch völlig anders verstanden werden…:-)
    LG Sabine

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  15. hafensonne schreibt:

    Für mich ist und bleibt Heimat der Osten und davon auch eher der Norden als der Süden. Sprich Berlin, Nordbrandenburg, Mecklenburg und eben Rostock. Das wurde mir klar, als ich gegen Ende meines Studiums in Bielefeld (obwohl ich damals sogar dort in festen Händen war und beruflich sich sicherlich auch schnell was ergeben hätte) überlegte, wohin es gehen soll, um nicht in Ostwestfalen klebenzubleiben. Es war nicht schlecht dort, auf gar keinen Fall die Katastrophe wie 2 1/2 Jahre Stuttgart, aber für immer?

    Dann gingen die Überlegungen los. Berlin schied aus. Zum einen war mein Traumjob dort bereits belegt, zum anderen hatten sich Berlin und ich in den Jahren des Studiums auseinandergelebt. Das Vorwende-Ostberlin, das Friedrichshain der 90er Jahre, das würde ich vielleicht als Heimat bezeichnen. Aber heute würde ich dort nicht mehr leben wollen. Dieses ganze Hipsterpack, das mit seinen solventen westdeutschen Eltern binnen kürzester Zeit den Mietmarkt gesprengt hat, kann mir gestohlen bleiben.

    Also Osten, Uniklinik und Wasser. Schnell wurde mir klar, dass es Leipzig, Dresden oder Jena auch nicht sein sollten. Und dann kam die Ostsee ins Spiel ;-) Ich bin dann also schon den ganzen Sommer herumgelaufen und habe allen erzählt, dass ich nach dem Studium nach Rostock gehe. Und so kam es dann auch. Da ich beruflich ja sehr viel mit den unterschiedlichsten Menschen und ihren Lebensgeschichten zu tun habe, weiß ich inzwischen, dass es vor allem die Leute sind, die Heimat ausmachen. Diese bodenständigen, tollen Mecklenburger, diese leicht lässig sprechenden Berliner, diese mit 16 Jahren an die Küste gezogenen und immer noch sächselnden Sachsen, eben all diese gelernten DDR-Bürger, die mit harter Arbeit ein ganzes Land wieder aufgebaut und dabei noch Kinder großgezogen haben. Jenseits der Ideologie fasziniert und beeindruckt mich das immer wieder.

    Dann noch fast nebenbei die Ostsee vor der Haustür zu haben und die vielen Schiffe – uns kriegt hier keiner mehr weg :-)

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  16. Sabienes Shelm schreibt:

    Heimat ist immer da, wo ich Sauerkraut und Bratwurst essen kann. Und einen Gartenzwerg habe ;-)
    (Das mit dem Strandkorb muss ich mal verhandeln)
    LG Sabienes

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  17. ClauDia schreibt:

    Liebe Frau Tonari,
    das war ja jetzt wirklich interessant, du kommst also von der Küste :) und bist viel rumgekommen.
    In Westdeutschland, also an Rhur und Rhein, könnte ich gar nicht leben. Das ist mir völlig fremd, auch wenn dort deutsch gesprochen wird.
    Die Sprache ist wirklich wichtig, und Schnitzel :D
    LG Claudia
    PS: das Bild zu „Heimat“ ist große Klasse :)

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  18. Bludgeon schreibt:

    Hm. Ich glaube ja, dass es an den Genen liegt, warum Frauen ihre Heimatgefühle schneller einem anderen Ort übertragen können als Männer. Männer kleben schneller/länger/ sturer an der angestammten Scholle. Frauen wurden weggeheiratet – über die Jahrhunderte. Männer übernahmen den Hof. Klingt auch spießig. Für falsch halte ich es trotzdem nicht. Ich wohne nun 25 Jahre in Nordbrandenburg. Naja es geht. Heimat isses aber nicht.

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  19. Bellana schreibt:

    Heimat ist für mich die Donau/Iller Region, was aber nicht bedeutet, dass ich nicht auch irgendwo anders leben könnte.
    Grüßle Bellana

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  20. angloswiss schreibt:

    Ich glaube Heimat verändert sich immer, wenn man mehrere Jahre in der gleiche Ort wohnt.

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  21. Barbara schreibt:

    Liebe Frau Tonari,

    ich bin diese Woche etwas im „Hingerlig“ und komme erst jetzt mit meinen Kommentaren. Dein Beitrag gefällt mir sehr gut, nicht nur, weil ich deinen Schreibstil mag. :-)
    Im Vorfeld von „Heimat“ habe ich mir einen ellenlangen Aufsatz zusammengeschustert, den ich dann mit einem neuen Aufhänger und sehr gekürzt für PPP losgeschickt habe. In betreffendem Aufsatz war „Sprache“ auch ein Thema. Das kommt vielleicht nicht von ungefährr, haben wir doch in der Schweiz vier Landessprachen. Ich fragte mich, ob mit Muttersprache nicht vielleicht der Mutterdialekt gemeint sei. Ich selber stelle nämlich fest, dass mir die Ostschweizer Dialekte weniger nahe stehen (ich verstehe alles) als das Italienische (ich verstehe nicht alles) oder das Französische (ich verstehe nicht alles). Ich würde bestimmt eher in der italienisch- oder französischsprachigen Schweiz eine Bleibe suchen als in der deutschsprachigen Ostschweiz.
    Anders gefragt: Bieten Dialekte dort „Heimat“, wo es um Region geht? Geht es um Sprachen, wenn man übers Regionale hinausgeht?
    Fragen, Fragen, Fragen.

    Ich wünsche dir eine gute Zeit!
    Barbara

    Gefällt 1 Person

  22. Julia Queißer schreibt:

    Heimat, ist dort wo man sich Zuhause und geborgen fühlt.:)

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