Freitagsklingeln #31

Mein erster Klingelfund in Helsinki kam blumig daher. 

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Getreu dem Motto: “Freitag nach eins, macht jeder seins.” läute ich freitags um 13 Uhr das Wochenende ein und zeige alles, was klingeln kann. Es darf natürlich mitgemacht werden. Mit allem, was bimmeln, läuten, gongen oder “glocken” kann.

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Silver & Gold #19

Diese  kleinen, vorgedruckten „Wunsch-und Hoffnungszettelchen“ hingen am Sankōinari Shrine in der Nähe der Burg Inuyama. Man nennt sie Omikuji.

Inuyama_golden
für Anne

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Tag 3 – kekkon omedetou gozaimasu (1)

Sonntag. Der Tag, an dem ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Kimono tragen und bei der Hochzeit unserer Gasttochter etliche Tränen verdrücken, nein vergießen werde.

Um kurz vor 10 Uhr holt uns der Brautvater mit dem Auto ab und bringt uns zum  Hochzeitsveranstalter. Das ist der Ort, an dem sowohl die Trauung als auch die anschließende Feier stattfinden werden.

2052016_Lounge

Nach wenigen Minuten Wartezeit in der Lounge werden das Töchterlein und ich in einen An- bzw. Umkleideraum gebracht. Dort wuseln schon ein paar Frauen aus Marinas Familie durcheinander. Sie bekommen gerade professionelle Hilfe beim Ankleiden ihrer Kimonos oder helfen sich gegenseitig. Ich versuche nicht im Wege zu stehen, setze mich zunächst auf einen Hocker und beobachte, wie das Töchterlein in einen wunderschönen, gemusterten Kimono aus dem Familienbesitz gesteckt wird. Man nennt ihn Furisode. Er hat sehr lange, sogenannte Schüttelärmel. Ich lerne, dass solch ein Kimono von unverheiratete Verwandten bei Volljährigkeits- oder bei Hochzeitszeremonien getragen wird.

Dann beginnt mein Einkleiden. Zunächst bekomme ich eine Art Unterrock und Wickelbluse mit dreiviertellangen-Ärmeln aus heller, luftig leichter Baumwolle in die Hand gedrückt. In einer kleinen Umkleidekabine tausche ich nun meine normalen Klamotten gegen diese Hadajuban genannte Unterwäsche. Und ich schlüpfe schon mal in die weißen Zehensocken (Tabi). Danach beginnt der spannende Teil des Kimonoanziehens. Wann ist mir in meinem Leben wohl zuletzt beim Ankleiden geholfen worden? Einfach nur Dastehen und die Arme heben, während zeitweilig zwei Frauen am Outfit arbeiten, ist für mich sehr ungewohnt. Wir kichern ein wenig gemeinsam über meine sehr unjapanische Oberweite. Das versteht frau auch ohne Sprachkenntnisse.  ;-) Zunächst wird zu meiner großen Überraschung gnadenlos alles, was mal Brust und Taille war, mit frotteeähnlichem Stoff (Handtüchern?) wegretouchiert. Super, denke ich und frage mich, warum ich mir in Vorbereitung auf das Fest ein paar Pfunde abgehungert habe, wenn sie nun quasi künstlich wieder drauf gepackt werden. Nun werde ich in einen, in meinen Augen wunderschönen rot-weißen Kimono gesteckt. Vielleicht nicht ganz meine Farben, aber interessantes Muster. Überrascht stelle ich jedoch fest, dass das noch nicht das Ende des Anziehens war. Denn dieser Kimono heißt Nagajuban, wird nochmals mit einer Art ultra fest gezurrter Bauchbinde (Datejime) fixiert und war quasi nur die schicke Hülle unter dem eigentlichen Prunkstück. Das begreife ich aber erst, als aus einer großen Schachtel ein unglaublich schöner Seidenkimono hervor geholt wird. Mir bleibt sprichwörtlich fast der Atem weg. Welch ein Traum. Ich darf mich in einen Kurotomesode kleiden lassen, einen schwarzen Kimono für verheiratete Frauen, der nur unterhalb der (nicht mehr vorhandenen *zwinker*) Taille  gemustert ist und der traditionell von den Müttern eines Brautpaares getragen wird. Ich bin beeindruckt, welch Ehre, die mir als ehemalige Gastmama da zuteil  wird.

Es wird hier und da weiter an mir gezuppelt. Offenbar benötigt alles seinen richtigen Platz und die perfekte Position. Inzwischen atme ich wegen der bisherigen Verschnürung nur noch flach. ;-) Mit Hilfe weiterer Schnüre wird nun an mir die Länge des Kimonos reguliert. Ich danke dem lieben Reisegott auf Knien, dass ich eher japanisches Gardemaß besitze.  So bekommen die Frauen ohne Probleme hin, dass der Kinomo eine super Ohashori-Falte auf den Hüftknochen schlägt und  nun hinten wie vorne die vorgeschriebenen Zentimeter über dem Boden endet. Ich kann im Detail nicht beschreiben, was da an diversen Zwischenschritten erforderlich war. Es wird mit Clips geklammert, mit Bändern und Schnüren  festgezurrt, die bei der nächsten Lage wieder entfernt werden. Es wird allerorten glatt gestrichen und erneut gezupft und gezurrt. Eine Wissenschaft für sich. Frau Tonari versteht jetzt jedenfalls sehr gut, warum japanische Frauen Kurse für das richtige Anlegen der vielen Kleidungsstücke belegen. Dann endlich scheint das Grundgerüst zu sitzen. Der Gürtel (Obi) wird angelegt. Das heißt, er wird fest um den Oberkörper gewickelt – ich möchte glatt von drapiert sprechen – und ich werde immer wieder besorgt gefragt, ob es noch geht und ich genug Platz zum Atmen habe.

Es gibt verschiedene Arten, den Obi zu binden. Bei mir sieht es übrigens völlig anders aus als beim Töchterlein. Ich bekomme einen sogenannten Trommel-Knoten (Otaiko-Musubi) und werde nochmals mit einer Art Kordel Obijime vor dem Bauch verknotet. Irgendwann schiebt man mir dann noch eine Art gürtelförmige Pappe (Obiita) zwischen Obi und Kimono. Er soll für Standfestigkeit und Faltenfreiheit des Obi sorgen.  Zunächst sorgt alles dafür, dass ich mich ein wenig „verpackt“ fühle. Zum Schluss in die Geta (japanische Holzsandalen) schlüpfen. Marinas Mama borgt mir noch eine stilechte Tasche. Fertig. Fix und.

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Mehr als eine Stunde hat das Ankleiden gebraucht. Jetzt gehe ich mit wirklich sehr kleinen Schritten zurück in die Lounge und bin total gespannt auf das, was kommt…

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NK und HK

NK und HK begegneten mir in trauter Zweisamkeit nebeneinander in einer Straße Hemsbachs. Eine Runde Wundermütze aufsetzen, weil mir beide Abkürzungen nichts sagten. Den Mitspaziergängern auch nicht. Bei B.W. waren wir uns ziemlich schnell einig, dass es wohl Baden-Württemberg heißen könnte.  Aber HK und NK blieben ein Rätsel.

Da ich immer mal den Blick nach unten richte und neben Kanaldeckeln und diversen Straßenkappen auch Nivellierpunkte entdecke, hielt ich HK spontan für einen Höhenknoten bzw. mehr augenzwinkernd für das berühmte Hemsbacher Kreuz.

HK

Aber auf NK hingegen konnte ich mir keinen Reim machen.

Die große Suchmaschine half, wenn auch nicht wirklich eindeutig: HK könnte demnach ein Hochspannungskabel sein. Steht NK dann für Niederspannungskabel? Ist die Kerbe im Straßenstein ein Indiz für dessen Lage? Spannend, oder?

Wer mehr oder anderes weiß, hebe bitte die Hand.😉

NK

Sehr praktisch auch, dass es Zeichen von Vegetation neben diesen kleinen Straßenmarken gibt. Damit bediene ich zugleich den Wunsch des Herrn Ackerbau und Planet 112, nach kleinsten Gärten😉 Ausschau zu halten.

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Es perlte

… sehr üppig am vergangenen Wochenende. Der Schampus floss in Strömen. Und nicht nur der.😉

Ein wunderbarer Kurztrip in die klimatisch bevorzugte Gegend Deutschlands liegt hinter uns. Ich / Wir habe(n) ihn sehr genossen und so viel gelacht, wie schon lange nicht mehr.

Perfekte, liebevolle Gastgeber, nette Gäste und tolle Stimmung. Lauter Superlative.

Danke für die hervorragende Organisation der Feier, die Gastfreundschaft, das Herzen und Knuddeln. Danke, dass ich bei der Gelegenheit auch Pat und Anne endlich live und in Farbe kennenlernen konnte.

Danke ebenso an die unermüdlichen Helferchen in der Küche, am Grill, am Fass und an den Pullen sowie beim Bedienen, die dem Fest die Krone aufsetzten.


Das heute gezeigte Herz gehört übrigens wirklich den gastgebenden Waldspechts.

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Freitagsklingeln #30

Weil mein Freitagsklingeln ja niemals auf einen Montagsherz-Montag fallen kann, gibt es den herzigen Beitrag eben jetzt.

Gefunden im Juni in Kyoto, auch wenn Tokyo drauf steht.

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Getreu dem Motto: “Freitag nach eins, macht jeder seins.” läute ich freitags um 13 Uhr das Wochenende ein und zeige alles, was klingeln kann. Es darf natürlich mitgemacht werden. Mit allem, was bimmeln, läuten, gongen oder “glocken” kann.

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enishizuku

Die Stadt Matsue ist berühmt-berüchtigt wegen des vielen Regens, der dort fällt. Offenbar nimmt man es aber mit Humor, denn die Wunschtäfelchen (Ema) kokettieren sogar damit, dass  Regen speziell für verliebte Pärchen doch eigentlich ganz nett ist.

Die Freundin schreibt: „Das Zeichen links ist „en“ und bedeutet „hier glückliche Verbindung, gute Heirat“ etc. Rechts ist „shizuku“, das ist ein – na du weisst schon, ein Wassertropfen. Hier wünscht sich also jemand Liebe im oder trotz des Regens…“

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für Frau Waldspecht

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… #Hundertwasser

Im vergangenen Jahr hatte ich über die, von Herrn Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser (1928-2000) gestaltete Toilette im neuseeländischen Kawakawa berichtet. Und auch auf der Toilette in Uelzen und dem tollen Bahnhof waren wir schon zu Gast. Heute nehme ich euch mit zum Luther-Melanchthon-Gymnasium in Lutherstadt Wittenberg, der einzigen Hundertwasser-Schule Deutschlands.

Zwischen 1997 und 1999 hat man nach dem Konzept des Künstlers eine, 1975 in einem Neubaugebiet in Plattenbauweise errichtete Schule umgebaut. Die Idee, die Umgestaltung anzugehen, entstand damals gemeinsam mit den Schülern im Kunstunterricht. In Wien traf man zu Glück auf offene Ohren.

In einer Fernsehzeitung lasen wir 1996 eher zufällig einen Spendenaufruf und haben uns beteiligt. Seit dieser Zeit hängt in unserer Wohnung ein limitierter Fundraising-Print von Hundertwasser: „Baustein zur Finanzierung der Umgestaltung des Martin-Luther-Gymnasiums in Wittenberg“.

Mir gefällt, dass der Typenschulbau aus DDR-Zeiten nicht bis zur Unkenntlichkeit verändert wurde. An dieser und jener Stelle nämlich blitzt „Typ Erfurt“  nämlich durch.

(Auf die Bilder klicken, macht sie größer.)

Sunny lädt uns sonntags zum Projekt „Punkt.Punkt.Punkt.“ ein, bei dem wir zu einem vorgegebenen Thema passende Bilder beisteuern dürfen/können.

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zufrieden gegessen

Um 17.30 Uhr sind wir mit Marinas Familie zum Abendessen in einem Restaurant verabredet. Ich bin wirklich sehr aufgeregt und ein wenig nervös. Zum einen, weil ich mir nicht sicher bin, ob wir übers Englische gut miteinander ins Gespräch kommen können. Zum anderen, weil ich um die endlose Zahl von Fettnäpfchen weiß, in die man als Ausländer in Japan ständig latschen kann. Und ich mag mich (und andere) nicht so gerne blamieren.

Glücklicherweise sind wir die Ersten vor Ort. Das gibt uns Gelegenheit, das als kleine, als Aufmerksamkeit mitgebrachte Marzipan einfach und unkompliziert auf jeden Platz zu stellen.

Schokorausch

Wenig später kommt Marinas Familie. Wir werden allen vorgestellt. Mir schwirrt der Kopf  vom Who is Who. Eltern, Großeltern, Onkel und Tante, Cousine. Alles ist sehr herzlich.  Wir sitzen in einem kleinen, privaten Raum im Restaurant „Ginza Haccho“, das zum Washington Plaza Hotel gehört.  Ich freue mich übrigens sehr, dass es hier Stühle gibt und wir nicht auf dem Boden sitzen müssen.

Washington_Plaza_1

Das nun folgende Menü ist optisch ein Hingucker und kulinarisch ein Genuss. In Japan gilt: „Man ist sich nicht satt, sondern zufrieden.“  Ich mag diesen weisen Spruch.

Tapfer arbeite ich mich in den nächsten drei Stunden durch das Menü und an den Stäbchen ab. Besonders das Zerlegen des Ayu-Fisches ist eine ziemliche Herausforderung. Schließlich soll es ja auf dem Teller nicht nach Schlachteplatte aussehen.😉

Die verschiedenen Köstlichkeiten sind ausgesprochen frisch, sehr regional und richtig, richtig lecker.  Zum Glück sagt uns Marina jeweils, was wir gerade essen. Und für den Blog schreibt sie es mir auch auf.😉

Ingen Goma-ae (grüne Bohnen mit Sesam), Yomogi Tofu (Tofu mit Ingwer), Wakasagi Sanbaizu (Stint – japanischer Süßwasserfisch – mit Reisessig)

Menue_1vier Sorten Sashimi (roher Fisch -> Thunfisch, Riesengarnele,  Jacobsmuschel und ???)

Menue_2Ayu Shioyaki (gegrillter Fisch in Salzkruste). Ayu wird in Gifu und Umgebung übrigens traditionell mit Kormoranen gefangen.

Menue_3

Tempura = frittierte Ebi (Garnele), Soromame (Saubohne) und Satoimo (Taro-Wurzel)

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Dann wird Hoba Misu (Pilze auf einem Magnolienblatt) mit Wagyu (japanisches Rindfleisch)  serviert. Vor uns steht eine Art Stövchen oder Minigrill. Die Brennpaste wird angezündet, das Essen brutzelt gemütlich vor sich hin.

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In der Zwischenzeit zeigt das Töchterlein mitgebrachte Fotos aus Neuseeland und wir ein paar aus der Zeit als Marina bei uns in Deutschland war. Das ist kommunikativ und Marina freut sich als ich ihr anschließend die Bilder schenke. Überhaupt erweiset sich mein Magengrummeln vom Nachmittag als unbegründet. Es gibt nette Gespräche auf Englisch und mit dem Töchterlein auf Japanisch und auch wenn wir nicht alles verstehen, ist die Atmosphäre locker und entspannt.  Wir fühlen uns sehr herzlich willkommen und ich mich wohl.

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Konoshiro (heringsartiger Fisch, sauer eingelegt ) auf Reis.

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Und zum Nachtisch ein traumhaftes Matcha-Eis.  Ich bin, seit ich es 2007 zum ersten Mal probiert habe, bekennender Fan des Grünteeeises. Hmmm.  Wunderbarer Abschluss eines  phantastischen Essens.

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Was ich irgendwie vergessen hatte: Nach dem Essen bleibt man in Japan nicht mehr sitzen, um noch zu klönen und zu schwatzen, wie das bei uns üblich ist. Mir scheint, man mietet den separaten Raum im Restaurant für die Zeit des Essens und verlässt ihn danach ziemlich schnell.

So besprechen wir noch, wann wir am nächsten Tag im Hotel zur Hochzeit abgeholt werden. Dann verabschieden wir uns und laufen zurück ins Hotel. Dort sinke ich nach einem langen und ereignisreichen Tag ins Bett.

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Freitagsklingeln #29

Natürlich habe ich auch in Japan die Augen offen gehalten, um eine besondere Klingel für das Einläuten des Wochenendes zu finden. Nicht einfach, denn es gab fast ausschließlich 0-8-15-Klingeln.

In Gifu sah ich dieses, eher unauffällige Täubchen.
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Getreu dem Motto: “Freitag nach eins, macht jeder seins.” läute ich freitags um 13 Uhr das Wochenende ein und zeige alles, was klingeln kann. Es darf natürlich mitgemacht werden. Mit allem, was bimmeln, läuten, gongen oder “glocken” kann.

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