herziger Nahverkehr

Im Eifer des Gefechts habe ich die Spiegelung nicht bemerkt. Vorenthalten möchte ich Frau Waldspecht das Handyfoto aber nicht, zumal es tatsächlich an einem Montag aufgenommen wurde. Das Herz zeigt den Weg vom Hauptbahnhof in Helsinki zum Flughafen.

Herz_Helsinki_2

 

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… #Himmel

Trost gibt der Himmel. Von den Menschen erwartet man Beistand.

Carl Ludwig Börne (1786-1837)

Wir  begleiten heute den besten Schwiegervater von allen auf seinem Weg ins Hospiz. Ein kleiner Umzug, der auf seinen eigenen Wunsch hin geschieht,  bevor dann der Himmel sein neues Zuhause wird. 

Sunny lädt uns sonntags zum Projekt „Punkt.Punkt.Punkt.“ ein, bei dem wir zu einem vorgegebenen Thema passende Bilder beisteuern dürfen/können.

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Freitagsklingeln #34

Fahrradklingel_34

Getreu dem Motto: “Freitag nach eins, macht jeder seins.” läute ich freitags um 13 Uhr das Wochenende ein und zeige alles, was klingelt. Es darf gerne mitgemacht werden. Mit allem, was bimmeln, läuten, gongen oder “glocken” kann.

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229/366

Interkulturell ging es hier in den letzten Tagen zu. Überraschungsbesuch, der mir das Herz weit machte. Unsere japanische Gasttochter und ihr Mann haben ihre wirklich sehr kurzen Honeymoon-Holiday in Deutschland, in Berlin verbracht.  Gestern waren wir gemeinsam im Schloss Cecilienhof und im Schloss Sanssouci unterwegs.

Orient meets Okzident. Die musikalische Fachsimpelei vor dem Schloss kennt keine Grenzen.

Unser deutsch-japanischer Spaß kannte ihn auch nicht.  Wie wohltuend.

Musikverbindet

(So richtig halte ich das mit den Tagesbildern ja nicht durch. Ein Projekt offenbar, für das ich nicht geeignet bin.)

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Eis am Stiel

Der Streetartkünstler Señor Schnu hat ein knuffiges Markenzeichen: Eis am Stiel. Mir gefällt dieses fröhliche Symbol, das ich neulich in der Stadt entdeckte.

Streetart_Eis_am_Stiel

Herzige Idee. So beginnt gut gelaunt die neue Woche.

Streetart_Eis_am_Stiel_1

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Helle Buch-Oase

Besonders helle Köpfe waren es nicht, die die als öffentlicher Bücherschrank dienende Telefonzelle im Stadtteilzentrum Helle Mitte vor einiger Zeit demolierten. Ich habe die Bookcrossing-Zone gerne genutzt und hoffe, dass meine Bücher ihren Weg in die weite Lesewelt gefunden haben, bevor vieles verbrannt und Opfer von Zerstörungswut wurde.

Seit zwei Wochen gibt es dort nun wieder einen Ort für den Büchertausch. Eine etwas abgespeckte Variante, die in der Praxiswerkstatt des Vereines KIDS & CO gewerkelt wurde, steht mitten im Bürgergarten „Helle Oase“.  Ein paar Bücher habe ich heute hinein gestellt.

Buecherschrank_Helle_Oase

Unverbesserliche Schmierfinken hinterließen schon wieder ihre Spuren  auf den Glasscheiben.

Ich wünsche dem Schrank und seinem Inhalt von Herzen, sie mögen diesmal keine Opfer von Vandalismus werden.  Ein richtig gutes Gefühl habe ich hingegen nicht.

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… #Tassen

Oh ja, Tassen. Ich glaube, das Projekt „30 Tage – 30 Tassen“ war eines der ersten Fotoprojekte, an dem ich in meinem „jungen“ Bloggerleben teilnahm. Es fand im April 2009 statt. Viele interessante Blogs habe ich damals durch diese Aktion kennen gelernt.    Insofern kann ich auf einen reichen Tassenbildfundus zurück greifen.

Ich bin außerdem auf Reisen eine bekennende Tassensammlerin. Tassen, nicht Finkennäpfe. Allerdings stehen von den Pötten inzwischen so viele im Schrank, dass ich mich zügeln muss. Die beste Stimme der Vernunft von allen reist ja zum Glück immer mit und verhindert gekonnt weitere Lustkäufe. ;-)

Wer mag, kann unter „allerlei Tassen“ auf diesem Blog noch mehr Bilder von Tassen entdecken.

Für heute habe ich nur dieses eine Foto ausgewählt:

alle_tassen_im_schrank

Sunny lädt uns sonntags zum Projekt „Punkt.Punkt.Punkt.“ ein, bei dem wir zu einem vorgegebenen Thema passende Bilder beisteuern dürfen/können.

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Freitagsklingeln #33

Heute geht es hier tierisch zu. Und es klingelt nicht. Es hupt. Interessanterweise nicht an einem Kinderrad.

Fahrradklingel_33

Getreu dem Motto: “Freitag nach eins, macht jeder seins.” läute ich freitags um 13 Uhr das Wochenende ein und zeige alles, was klingelt. Es darf gerne mitgemacht werden. Mit allem, was bimmeln, läuten, gongen oder “glocken” kann.

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unter Müllmenschen

Es war einmal eine Baugrube. Sie hatte im Herbst letzten Jahres ihren Platz zwischen der Friedrichwerderschen Kirche und der Attrappe der Bauakademie im Herzen Berlins gefunden.  Eigentlich sollte sie quasi das Bett neuer Luxuswohnungen werden, dann aber ließ man sie in einen Dornröschenschlaf fallen. Sie soll ein Schädling zu sein.  Einer, der den Nachbargebäuden nicht gut tut, ihnen Risse zufügt und Fundamente ins Wanken bringt. Alles, was eine Baugrube nicht gerne über sich sagen lässt. Verformungsarm soll sie nun sein, sagen die Baumenschen. Ein Frühwarnsystem soll sie tragen, sagen sie auch. Nun ja. Die Baugrube ärgert sich ein wenig. Auch, das man sie Problem-Baugrube schimpft. Das klingt nach Problem-Bär oder Problem-BER. Eigentlich nämlich möchte sie nur so schnell wie möglich verfüllt werden, künftig Tiefgarage sein und mit ihren Nachbarn in Frieden leben.

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Mitte  der vergangenen Woche jedoch begann sich plötzlich neues Leben um sie zu regen. Menschen und Maschinen rückten an. Geschäftig wurde gewuselt. Dreihundert, zugegeben etwas suspekte Typen zogen ins zweite Untergeschoss. Untermieter sozusagen. Leider nur temporär, die man munkelte.

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Aber es sind angenehme Zeitgenossen. Weit gereist sollen sie sein. Sie waren u.a. schon auf der Großen Mauer in China, sie standen auf dem Roten Platz in Moskau und neben den Pyramiden von Gizeh. Zermatt, Barcelona, Paris, Antarktis – mal hier, mal da. Die Zugezogenen sind kinderlos und ruhig, machen keinen Dreck und Ärger, bekommen aber jede Menge Besuch. Die Baugrube freut sich darüber, denn es war ihr zuvor eindeutig zu ruhig gewesen. Langweilig fast.

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Und nun? Nun kommen viele Neugierige und gucken über den Rand der Baugrube. Das Gewirr der Stimmen ist international. Kameras aller Formate und Fabrikate werden gezückt. Die Baugrube fühlt sich an diesem Wochenende berühmt und wie ein Superstar.

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Am Sonntag jedoch passiert etwas Ungewöhnliches. Bisher hatten Besucher und zufällig Vorbeigekommene nur brav hinter dem Bauzaun gestanden. Manchen davon hat die Baugrube jedoch schimpfen hören, weil die Absperrung tollen Fotoaufnahmen und Porträtperspektiven im Wege war. Sie fanden doof, dass man den Untermietern nicht auf die rostige Pelle rücken konnte.

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Dann aber öffnete jemand den Bauzaun. Ein Stückchen nur. Und ziviler Ungehorsam breitete sich aus. Zögernd zwar, schuldbewusst auch, aber immerhin. Die Baugrube jauchzte. Endlich kamen die Besucher ihr nahe. Auf Augenhöhe sozusagen. Nicht so von oben herab. Dem stabilen Gerüsttreppenturm sei dank. Ach, sie genoss das. Da wurde nach Herzenslust fotografiert, da wurde gefachsimpelt, da wurden Informationen und Meiningen ausgetauscht. Man kam ins Gespräch. Genau so, wie sich die Baugrube so etwas gewünscht hätte. Interaktiv. Friedlich. Besitzergreifend.

Nur so nämlich konnten die Interessierten die stummen Mietnomaden wirklich detailliert kennenlernen, ihre Eigenheiten entdecken und den Körperschmuck bewundern. Und sich eigene Gedanken machen, was es mit diesen Wesen, die man Trash People, Müllmenschen nennt, wohl so auf sich hat.

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Frau Tonari gehört zu denjenigen Besuchern, die illegalerweise den faszinierenden Wesen die Hand geben. Zu gerne wäre sie noch länger geblieben und hätte sich an den Details gefreut. Leider jedoch ertönt vom Rand der Baugrube ein drohende Stimme, die alle Besucher sofort herausbeordert.  Verständlich und dann auch irgendwie wieder nicht.  Also hieß es, von den mannshohen Müllmenschen schweren Herzens wieder Abschied zu nehmen.

Und auch die Baugrube jammert diesem kleinen, spontanen Flashmob hinterher.  Keine 24 Stunden später nämlich sind die Untermieter wieder aus und weiter gezogen.  Einsam bleibt sie zurück…

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*Der Aktionskünstler HA Schult präsentierte vom 05. bis 07.August 2016  seine aus Abfall figurierten Müllmenschen in Berlins Mitte. Die „Trash People“ symbolisieren die Unterdrückten und Ausgebeuteten dieser Welt und sind zudem ein mahnender Fingerzeig auf unseren sorglos bis verschwenderischen Umgang mit Ressourcen, die zu Müll und Abfall werden.  In meinen Augen passt der Termin der Ausstellung wunderbar zum Earth Overshoot Day, den Weltüberlastungstag, der 2016 am 08.08. begangen wurde.

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Tag 3 – Kekkon omedetou gozaimasu (3)

Was uns im Vorfeld zur Hochzeit ziemlich beschäftigt hat, war die Frage nach dem richtigen Geschenk. Dank der deutschen Freundinnen, die wir in Japan haben, wissen wir darum, dass Sachgeschenke eher nicht angebracht sind. Man schenkt Geld in einer bestimmten Höhe.  Das finde ich durchaus praktisch. Wir erfuhren also, dass Gäste quasi beim „Check in“ für die Feier einen Umschlag mit dem „Eintrittsgeld“ abgeben. Man sollte aber darauf achten, keine Beträge mit geraden Zahlen in das Kuvert zu stecken. 20.000 Yen, 40.000 Yen etc. gehen nicht, weil man diese Summe gut teilen kann und es eine Trennung der Eheleute symbolisieren könnte. Und man schenkt nichts mit der Unglückszahl 9. Ich hoffe, vor weiteren ungeahnten Fettnäpfchen schützt uns, dass von Nicht-Japanern nicht zwingend das Einhalten diverser Regeln erwartet wird. Wir entscheiden, Euro statt Yen zu verschenken. Da gilt die japanische Zahlensymbolik vielleicht nicht so.😉

Das Problem beginnt, als uns am Eingang zum Bankettsaal niemand den Umschlag abnehmen will. Irgendetwas scheinen wir nicht bemerkt oder kapiert zu haben.  Ich sehe auch niemand anderen mit einem Umschlag. Hm. Komisch. Irgendwann drücke ich einfach dem Brautvater das Kuvert in die Hand. So erreicht unser Geschenk garantiert sein Ziel.

(Über die Deko am Einlass muss ich ein wenig schmunzeln. Die kleine blaue Plüschfigur kenne ich aus dem Zeichentrickfilm Tonari no Totoro.)

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Bevor wir in den Saal gehen können, bekommen wir am Eingang einen Tischplan ausgehändigt. Erleichtert stelle ich fest, dass unsere Namen nicht auf Japanisch darauf stehen. ;-)  Wir sitzen in der Nähe der Familie der Braut. Mit uns am runden Tisch drei junge japanische Frauen.  In den kommenden zweieinhalb Stunden läuft nun ein durchorganisiertes Programm ab, bei dem jede(r) zu wissen scheint, was als nächstes passiert. Wir nicht. Auch nicht, wie lange die Party dauert.

Wir warten auf das Brautpaar. Um diese Zeit zu verkürzen, werden auf zwei großen Leinwänden Bilder aus der Kindheit, Jugend und Kennenlernzeit der beiden Frischvermählten gezeigt. Das finde ich prima. Auch wir kommen darin vor. Schön, dass das Austauschjahr in der Präsentation Platz gefunden hat. Als sie zu Ende ist, kommen M&K in den Saal. Sie haben sich umgezogen und tragen nun eher westliche Hochzeitskleidung: er einen grauen Anzug und sie ein weißes, schulterfreies Brautkleid.  Schick.

Der Bräutigam hält eine kleine Rede.  Die Braut steht daneben und schmunzelt. Dann darf auch sie etwas sagen.  Wir verstehen nichts und freuen uns dennoch gerührt mit. Nun wird die riesige Hochzeitstorte angeschnitten. Unter Jubel der Anwesenden füttern Mann und Frau sich gegenseitig.

Mit einem Gläschen Sekt wird auf beide angestoßen. Das folgende Menü besteht aus mehreren Gängen, wobei die Hochzeitstorte den krönenden Abschluss bildet. Alles ist eine wahre Augenweide, abwechslungsreich und auch geschmacklich sehr interessant. Nur schaffe ich es angesichts meiner „Verpackung“ nicht, alles brav aufzuessen.  Ich sitze, wie es sich gehört, sehr aufrecht und auf der vorderen Kante des Stuhles. Anlehnen darf ich mich wegen des schön drapierten Obis nicht. Und ich vermeide, mehr als ein Glas Sekt und ein wenig Wasser zu trinken. Wenn irgend möglich, würde ich im Kimono gerne den Gang zur Toilette vermeiden.   (Das gelingt mir übrigens. *zwinker*)

Während fleißige Geister auftischen (und nachschenken), werden diverse Reden vorgetragen und Fotos mit dem Paar gemacht. Sie sitzen beide an einem separaten Tisch an der Fensterseite. Irgendwann zieht sich Braut noch einmal um. Wieder ein westliches Brautkleid. Diesmal ein Traum in rosa. Es folgt ein Auftritt gemeinsam mit dem Orchester, in dem sie Mandoline spielt. Der Bräutigam dirigiert. Wir hören einen deutschen Hochzeitswalzer, den unsere Gasttochter für uns auch auf Deutsch ansagt. Als sie ergänzt „Hast Du verstanden, Mama?“ bekomme ich Gänsehaut und habe Pipi in den Augen.  In diesem Moment fällt mir auf, dass irgendwie alle zu uns Mama und Papa sagen.   (Und wir auch darauf reagieren.) Auch die Großeltern unserer japanischen Tochter. Das ist vermutlich deutlich einfacher, als unsere Vornamen zu verwenden.

Die Party ist nicht mit einer deutschen Hochzeitsfeier zu vergleichen. Es wird nicht getanzt, es gibt keine semilustigen Spielchen und auch der Alkoholkonsum hält sich in Grenzen. Vor allem aber: Es ist keine Open End Veranstaltung.

Das Brautpaar hält noch eine Ansprache an ihre Familien.  Unser Gastkind bedankt sich bei Okaasan und Otousan (Mutter und Vater) und ist dabei sichtlich gerührt. Ich bin es parallel auch. Und überhaupt verdrücke ich so dieses und jenes Tränchen. Es macht keinen Unterschied, dass die junge Frau da vorne nicht meine leibliche Tochter ist. So ein gemeinsames Jahr verbindet, finde ich.

Zum Schluss sehen wir einen kurzen Film mit den Bildern des Tages. Im Zeitraffer laufen gerade die letzten, aufregenden Stunden noch einmal an uns vorbei. Toll, dass das Fotographen- und Filmteam das so professionell und schnell hinbekommen hat.

Das Brautpaar verabschiedet kurze Zeit später die Gäste alle noch mit einem kleinen Give away. Eine letzte Umarmung von uns, dann ist die Party auch schon wieder vorbei.

Kekkon omedetou gozaimasu – Herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit.

Im Anschluss wird mir aus dem Kimono geholfen, den ich wirklich gerne und mit großem Stolz getragen habe. Ich kann sagen, ich habe mich gut darin gefühlt. Es war ein großartiges Erlebnis und eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Danke, dass das möglich war. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie so tollen Stoff angefasst und ich habe mich noch nie so  „pretty“ angezogen gefühlt.

Teil 1

Teil 2

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