Der Tioga-Pass der Sierra Nevada ist mit 3031 m der höchstgelegene Pass in Kalifornien und aufgrund dieser Höhe nicht ganzjährig geöffnet. Das Wetter meint es aber bisher gut mit uns und so wagten wir heute diese Route. Östlich des Passes befindet sich übrigens der Mount Dana, der mit 3.981 m der zweithöchste Berg im Yosemite Nationalpark ist. Benannt übrigens nicht nach dem Töchterlein, sondern nach James Dwight Dana, einem amerikanischen Geologen.
Wir mussten heute unbedingt durch den Yosemite Park bis Lee Vining am Mono Lake kommen, denn auf der Strecke dazwischen gab es keine Unterkünfte.
Zunächst jedoch begann unser Tag in Oakhurst ein bisschen anders. Wenn sich familienkrankengeschichtlich betrachtet der Sohnemann Scharlach in der Schweiz und das Töchterlein eine Mittelohrentzündung am Mittelmeer
leisten kann, dann ist es nur folgerichtig, dass sich der beste Ehemann von allen in Amerika auch einen Besuch beim Doctor gönnt. Es lag irgendwie seit der Abreise in San Francisco in der Luft. Des Nächstens also offenbarte mir der hustende & prustende GöGa, dass wegen einsetzender Taubheit auf einem Ohr des Morgens dringend ein Medizinmann benötigt wird. Selbige Äußerung trieb die danach spontan schlaflose Ehefrau ins mitternächtliche Internet, um in der 13.000-Seelen-Gemeinde einen sonnabendlich geöffneten medizinischen Versorgungsstützpunkt zu recherchieren. Gesucht und gefunden. Sich der Nähe zum Nationalpark und der Touristenanfälligkeit bewusst, gibt es tatsächlich ein Community Medical Center, das nicht zu Tode erschrickt, wenn Nichtamerikaner Hilfe benötigen.
Was Männe aber auf alle Fälle verhindern musste, war, den Verdacht einer mutmaßlichen Schweinegrippeinfektion zu erregen. Das hätte zeitraubende Folgen und mich vermutlich gleich mit aus dem Reiseverkehr gezogen.
Ich will Euch nicht mit Krankenhausgeschichten langweilen, aber ein bisschen muss schon sein
Zunächst musste er also einen Standard-Aufnahmebogen und dann der Krankenschwester noch weitergehende Fragen beantworten. Blutdruckmessung. Ergebnis: zu hoch. Okay, vielleicht ein Produkt aus Frühstückskaffee und Nervosität. Fiebermessen. Ergebnis: Keines vorhanden. Im Behandlungszimmer auf den diensthabenden Arzt warten. Es kommt noch einmal eine Schwester und misst den Blutdruck. Könnte sich ja kurzfristig geändert haben. Ergebnis: immer noch zu hoch. Dann erscheint der Arzt. In die Ohren gucken. Aha, entzündet. In den Hals gucken. Aha, entzündet. Abhörmanöver. Aha. Diagnose: Bronchitis. Aber der Blutdruck. Hm. Wunder, wunder. Lieber noch einmal selbst messen. Immer noch nicht weniger. Hm. Hm. Okay, damit es keine Übersetzungsmissverständnisse gibt, ruft der Doc seinen deutschsprechenden Kumpel an und erklärt ihm die Diagnose. Wir verstehen zwar das amerikanische Original, doch bekommt Männe seinen Krankheitszustand nun telefonisch sicherheitshalber noch einmal auf Deutsch erläutert. Das nenn ich doch mal Service. Antibiotika sind zu nehmen, der Blutdruck zu kontrollieren. Letzteres ist auf einer Rundreise ziemlich schlecht machbar. Das sieht auch der Arzt ein. Rezept und Rechnung folgen promt. Das erledigen Schwester bzw. Sprechstundenhilfe. Macht nach zwei Stunden Aufenthalt dort 153 Dollar für die Arztkonsultation und 364 Dollar für das Nutzen des Medical Centers. Hinzu kamen später noch 79 Dollar für den Kauf der verordneten Medikamente. Unsere Auslandsreisekrankenversicherung wird sich freuen. Egal. Ich hoffe, die Wundermittel schlagen schnell an und der beste Reisebegleiter von allen kann den Rest des Urlaubs genießen.
Bedingt durch den Zeitverlust wegen des Arztbesuches entschieden wir uns, eine schnellere Route ins Yosemite Valley zu nehmen. Und das erwies sich als wahrer Glücksgriff. Die Strecke über Mariposa und El Portal war so ganz anders als die bisher von uns befahrene und viel, viel beeindruckender. Über weite Strecken führt sie parallel zum Mercedes River und lässt die steilen Felshänge noch gigantischer erscheinen.

Und dann erst die Fahrt bis zum und über den besagten Tioga-Pass. Sonnenschein begleitete uns, ab und an ein Wölkchen, dazu glasklare kalte Luft, kaum Fahrzeuge auf der Straße und grandiose Aussichten.


Hin und wieder Schnee. Schade, dass Fotos diese Weite, diese grenzenlose Naturschönheit so wenig wiedergeben können.

Der Mono Lake selbst empfing uns in der Abendsonne. Mondlandschaft ringsherum.

Unsere Unterkunft für heute Nacht heißt „Murphy´s Motel“. Ich hoffe, hier herrscht nicht auch sein Gesetz. Aufregung hatte ich für heute genug.


















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