Cold as Ice

war es nicht, aber Temperaturen und vor allem das Wetter sollten doch eine Rolle spielen in diesem Konzert am letzten Juli-Sonnabend in der Parkbühne Leipzig.

ForeignerBis dato kannten wir den Veranstaltungsort im Clara-Zetkin-Park noch nicht. Und waren entsprechend gespannt. Zum einen auf die Location und zum anderen auf die Live-Qualität von Foreigner. Weil uns die Musik unserer Jugend *räusper* noch immer gut gefällt, das Töchterlein sie auch gelegentlich gerne hört und ihr Liebster mitkam, wurde es glatt zu einem Dreigenerationenerlebnis.  Denn, man lese und staune, auch unsere E-Musik klassikliebende “alte Tante” war mit Interesse von der Partie und erlebte mit ihren junggebliebenen 72 ihr allererstes Rockkonzert. Tusch!!!

Konzertbeginn sollte um 19.30 Uhr sein, wenn man der Eintrittskarte trauen durfte. Durfte man aber nicht…  Wir hatten uns für rechtzeitiges Erscheinen entschieden. Ihr wisst schon, wegen der Sicherung der besten Plätze. Nee, nicht die unmittelbar am Bühnenrand, bei denen man entweder die Schuhe und Waden der Künstler bewundert oder am folgenden Tag einen Chiropraktiker benötigt, der sich um die Halswirbel kümmert ;-) Sondern diejenigen Stehplätze, bei denen auch so Erdnuckel wie ich eine reelle Chance haben, ab und an etwas sehen zu können. Der Veranstaltungsort zeichnete sich leider durch eine gewisse Ebenerdigkeit aus. Unterbrochen von geringfügig terassenförmig angeordneten Stufenreihen. Das verschafft den Zwergen in der letzen Stufenreihe zumindest einen kleinen Vorteil. Theoretisch. Praktisch allerdings nicht, wenn sich die gefühlt größten Konzertbesucher vor die Erdnuckel stellen und sich auch nach persönlich bittender Ansprache nicht erweichen lassen, wenigstens eine Treppenstufe tiefer den Überblick zu behalten.  Soll heißen, Mister Pinkshirt und Senor Blaumann mit Brille auf den Haaren (Foto oben) ignorierten meinen menschlichen Wunsch nach mehr Bühnenblick.  Die Konzertfotos entstanden als Frau-Tonari-reckt-die Knipse-so-weit- es-geht-über-ihren-Kopf-Aufnahmen.   In Wahrheit versuchte ich zwischen kahlen Schädeln und mehr oder weniger breiten Schulterblättern mitzubekommen, was da vorne abgeht ;-)

Zurück zum Tantchen, deren persönliches Leid noch größer war. Inzwischen gelenketechnisch und verschleißbedingt mit diesem und jenem nichtkörperureigenem Ersatzteil ausgestattet,  erfordert die Teilnahme an Stehplatzveranstaltungen die Zuhilfenahme besonderer  Mittelchen. In ihrem Fall eines wahrlich unscheinbaren Klapphöckerchens. Aber wir hatten die Rechnung ohne den Wirten  erbarmungslosen Veranstalter gemacht, der in Form junger, gebrechenloser EinlassdienerInnen Gnadenlosigkeit walten und keinerlei Ausnahmen gelten ließ. “Mit dem Kauf einer Stehplatz- Eintrittkarte haben Sie die allgemeinen Geschäftsbedingungen akzeptiert”. Wer hat in diesem Moment schon diese Bedingungen parat? (Auch beim späteren Nachlesen habe ich nichts diesbezüglich gefunden. “Das Mitbringen von Glasbehältern, Dosen, Getränken in Dosen und Glasbehältern, Tonbandgeräten, Film- und Videokameras, sperrigen Gegenständen, Kühltaschen, pyrotechnischen Gegenständen, Fackeln, Wunderkerzen, Waffen und ähnlich gefährlichen Gegenständen sowie das Tragen von Kleidung mit verfassungswidrigen Motiven ist untersagt. Bei Zuwiderhandlungen kann auf Anordnung des Veranstalters eine Verweisung vom Veranstaltungsort erfolgen. Der Veranstalter übernimmt für die Verwahrung von am Einlass abzugebenden Gegenständen, sofern ein entsprechender Vertrag hierüber abgeschlossen werden sollte, keinerlei Haftung.” ) Wer hat in solchen Momenten schon gute Argumente gegen die schnippische Art Anfangzwanziger Unversehrtheit? Lange Schreibe, keinen Sinn – das Klappgestühl wurde konfisziert. Tantchen auf eines der wenigen Sitzplätze am Rande verwiesen mit perfektem Blick auf die mehr oder weniger gut geformten Hinterteile der vor ihr Stehenden.  :roll: Ich empfehle dem Veranstalter MAWI Concert GmbH angesichts der alternden Gesellschaft dringend noch einmal über ihre vor Ort geäußerten  “Teilnahmebedingungen” nachzudenken.  Pfui Spinne, kann ich da nur sagen…

Konzertbeginn dann eine halbe Stunde nach Eintrittskartenankündigung. Zuvor begleitet von nebulösen Auftritten der Instrumentebespaßer und den Pfiffen des ungeduldigen Publikums.

Foreigner_Dass es kurz nach Konzertbeginn wie aus den Schläuchen der örtlichen Feuerwehr zu gießen begann, dafür konnte dann weder der Veranstalter noch die Band etwas.

Foreigner_1Schön, Mick Jones zu erleben, der 1976 Bandgründer war  und als Gitarrist auch noch heute eine gute Figur macht. Pünktlich zu “Dirty White Boy” betrat er die Bühne.

Foreigner_2Der Regen durchnässte alles. Niemand hatte mehr die Haare schön. Von der Tusche der umstehenden Ladys 50+ ganz zu schweigen. Und unsere mitgebrachten Regenponchos lagen gut verstaut im Kofferraum des silbernen Schnuckelchens.  Da wo sie hingehören, wenn man um die 30° Außentemperatzur und keine Dusche erwartet.

Foreigner_3Nur das einsetzende Wämegewitter war mir angesichts der Bäume rundherum nicht ganz so schnuppe.  Blitze von vorne. Eichen sollst Du weichen. Weiden sollst Du meiden. Und hinter uns – wie zum Hohn – phantastisches Sonnenuntergangsrot. Nicht im Bilde festgehalten, weil Tropfen auf der Linse nicht wirklich gut kommen.

Foreigner_4Was soll ich schreiben: Noch nie war ich in letzter Zeit so (lustbetont) durchnässt. Bluse und Jeans zum Auswringen, die Brille gut betropft, die Tasche nur notdürftig vor dem Ertränken der Ausweispapiere gerettet. Die Stimmung aber ganz große klasse. Und bei “Urgent” und “Juke Box Hero” auch endlich das Publikum auf Hochtouren. Die Jungs da vorne boten wahrlich mit allem Einsatz “The Best of…”

Foreigner_5Und Tantchen?  Fand es (trotz der für sie widrigen Umstände) cool und konstatierte “Die hätten mir früher auch gut gefallen.” Herz, was willste mehr?

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5 Antworten zu Cold as Ice

  1. kalle schreibt:

    Ohja, die fand ich früher auch klasse, und heute bestimmt noch immer!!! I Want to Know What Love Is…dahinschmelz ;)

    Liebe Grüsse kalle

  2. vivilacht schreibt:

    wir gehen auch jetzt immer mit unseren Klappstuehlchen, aber hier waren es immer Konzerte umsonst, also hat sich auch niemand beschwert

  3. AndiBerlin schreibt:

    Ich bin ja sehr überrascht das es die Band immer noch gibt. Aber deren Hits sind halt Klassiker die immer und zu jeder Zeit ziehen.

  4. Nostalgia schreibt:

    Oh das hast Du wunderbar berichtet – ich war emotional jetzt fast live dabei. Zum Glück aber trocken geblieben!! Das ist so ein Ereignis das man einfach nicht vergisst, ohne Regen wahrscheinlich nur halb so schön ;-)
    Foreigner mochte ich auch immer – wusste nicht dass die noch so agil auf der Bühne tanzen.
    Und Tantchen ist wirklich cool!!! ;-)
    Sei lieb gegrüßt
    Kerstin

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