atemlos – mutlos – machtlos

Das war heute alles andere als ein schöner Ausflug. Dabei hatten wir es uns so toll vorgestellt und noch im Cornelia Froboesschem Stil angesungen, sie sölle die Badehose einpacken, denn es geht raus nach Wannsee. Das Wetter spielte mit. Verraten hatten wir im Vorfeld auch nichts, weil erfahrungsgemäß dann vor Aufregung der Nachtschlaf zu kurz kommt.

Sie liebt alte Bäume und Wasser. Insofern ist der Wannsee ein gutes Ziel, der beides kombiniert.

Die Fahrt endete auf halber Strecke. Das Herz. Ein neuer Anfall. Um Atem und Fassung ringend, saß sie wie ein Häufchen Unglück im Auto. Nicht fähig, auch nur ein Wort heraus zu bringen.  Nach Luft sprichwörtlich wie das Fischlein im Trockenen schnappend.  Dazu Übelkeit und würgender Brechreiz. Und wir konnten nicht helfen… Kein gutes Gefühl sag ich Euch, wirklich kein Gutes.  Ich dachte, das letzte Stündlein und so…

Zum Glück fand sich am Straßenrand eine Parklücke und gleich daneben ein Restaurant. Die Omi wollte auf die Toilette. Danach ein Glas sprudelndes Wasser. Und dann brach sie heraus, die Traurigkeit und die Mutlosigkeit. Wegen der verpatzten Ausfluges, wegen der Herzschmerzen, wegen des gewünschten, aber nicht bekommenen schnellen Endes und, und, und.

Man sitzt zuhörend daneben, hat aber auch kein Patentrezept, kann nicht wirklich trösten und ahnt, es wird nicht besser.

Zurück im Pflegewohnzentrum ging es ihr ein wenig besser, aber nicht gut. Der Blutdruck auf Hochtouren. Dagegen gibt es Spray.  Gegen zunehmende Lebensunlust gibt es leider wenig, was hilft.

Die Zeiten, gemeinsam mit Hilfe des Rollators etwas unternehmen zu können, scheinen vorbei. Zu groß nun auch bei mir die Sorge, nein die Angst, einen neuerlichen Anfall (und Schlimmeres) machtlos miterleben zu müssen.

Nächster Schritt: Das Personal versprach, in der kommenden Woche mit der Hausärztin über einen Rollstuhl zu sprechen. So könnten wir mit ihr wenigstens in den Garten des Heims, ohne dass sie sich sehr anstrengen muss.

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21 Antworten zu atemlos – mutlos – machtlos

  1. freiedenkerin schreibt:

    Ich denke, dass es für die Omimi schon ein großer Trost gewesen ist, dass ihr da gewesen und zugehört habt. Und ihr ganz bestimmt auf eure liebevolle Weise gezeigt habt, wie gern ihr sie habt, und wie sehr ihr euch wünscht, ihr helfen zu können…

  2. shabbaton schreibt:

    das ist ein schlimmes Gefuehl, daneben zu sitzen und nicht wirklich helfen zu koennen. Hoffentlich koennt ihr sie dann wirklich im Rollstuhl ein bischen spazieren fahren und ihr vielleicht doch ein wenig Lust am Leben noch damit bieten. Alles Liebe , Vivi

  3. Tine schreibt:

    ich drück euch wirklich ganz ganz fest und aus tiefstem Herzen die Daumen!

  4. winnieswelt schreibt:

    klingt ja gar nicht gut, … bislang bin ich von derartigen Erlebnissen mit Verwandten verschon geblieben, … aber mit einigen Gästen macht man auch ne Menge mit, … Wichtig ist, DA ZU SEIN!

  5. ankeberlin schreibt:

    Ja, es ist nicht schön, wenn man vermeintlich hilflos zusehen muss, wie eine individuelle Welt immer kleiner wird. Das Leben – so ist es …

  6. theomix schreibt:

    Erwartet eine Oma, dass die Enkel ein Patentrezept für sie haben gegen die Lebensunlust? Das Zuhören ist das Wichtigste, was sich tun lässt.
    Traurig und mutlos, ja, das lässt sich schwer aushalten, das glaub ich gern. Vor allem, wenn es die liebe Omi ist. :/
    Auch wenn so ein Tag niemandem aufbaut.: Ich vermute, euer Bemühen kommt an. sie wird es registrieren, und es kommt auf ihre Freude-und-Mut-Seite in der Bilanz.

  7. Thor schreibt:

    *einfachmalindenarmnehmen* Worte fehlen, würden banal klingen. Aber Gedanken fliegen, schicken Kraft, nehmen Anteil. Mümmelschmatz

  8. Ach, as tut mr sooo leid. fühl Dich gedrückt, meine Lebe.

  9. piri ulbrich schreibt:

    Puh, du hat so liebevoll geschrieben… Liebe Grüße nach Berlin!

  10. Himmelhoch schreibt:

    Es müsste ein Patentrezept geben für die, die alt werden wollen, und für die, die es nicht so sehr wollen. – Deine Oma hat so sehr Glück, dass sie dich / euch hat. Viele in solchen Einrichtungen bekommen keinen Besuch, niemand holt sie da raus. – Ich denke manchmal, dass die gute Medizin nicht nur gute Seiten hat.
    Fühl dich umarmt! Clara

  11. Inch schreibt:

    ACH, die Omi tut mir so leid. Ich habe solche Ausflüge mit meiner auch immer gemacht. Bin ganz langsam mit dem Auto durch die Heide gefahren, damit sie alles sehen, alles genießen kann. Und sie war immer so traurig, wenns nicht geklappt hat

  12. Lucie schreibt:

    Oh je, das hört sich ja ganz schlimm an. Bei meiner Ma hab ich das auch miterlebt, totz Rollstuhl, wollte sie nicht mehr an Unternehmungen teilnehmen! Da musste ich sie immer ein wenig überrumpeln! *seufz*

    Alles Liebe für dich und die Ommimi

  13. Anne schreibt:

    Ach. So liebevoll, trotz aller Angst… Herzlich alles Gute!

  14. Bellana schreibt:

    Ja, es ist schlimm, wenn man nichts mehr tun kann und zusehen muss, wie so ein alter Mensch immer weiter abbaut.

  15. monisertel schreibt:

    Dein Bericht geht mir echt zu Herzen. Mir tut es nicht nur leid, wenn die “Omi” die Lebenslust-und Freude verloren hat, mir tut es auch für Dich leid, wenn Du nicht mehr helfen kannst, nicht/s m e h r tun kannst. Denn das schmerzt ja am meisten. Ich kenne das aus eigenem Miterleben.
    Sei einfach weiterhin für sie da, mehr geht nicht!!!
    Liebe Grüße
    moni

  16. tonari schreibt:

    @ all
    Vielen Dank für Euche Kommentare. Jeder einzelne drückt Mitgefühl aus.
    (Ich hatte schon ein bisschen Sorge, dass ich mal wieder zu rational berichtet habe, obwohl mir das Herz in der Situaton wild und solidarisch hämmerte und zwischenzeitlich immer mal in die Hose gerutscht ist.)
    Es tut gut, lesen zu können, dass ihr meine Panik & Sorgen nachvollzeihen, ja verstehen könnt.

    Wichtig und gut ist für mich zu wissen, dass die Omimi mit sich im Reinen ist. Sie weiß alles geklärt, alles ist den Lieben gesagt und nichts scheint einem Abschied im Wege zu stehn. Das ist vermutlich viel, viel mehr als manch anderer von sich (je) sagen kann. Insofern ist es für sie okay. Nun muss es das für mich auch noch werden… Vielleicht bin ich diejenige, die nicht wirklich loslassen kann und das spürt sie?….

  17. juzicka-jess schreibt:

    es tut mir leid so leid … das omimi

  18. ich schreibt:

    ich schicke dir einen grossen lieben Knuddler mit, versehen mit etwas Schnee aus Jerusalem.

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