Am letzten Wochenende waren die Tonaris mit ihrer Gasttochter in einem der japanischen Sprache mächtigen Sightseeing-hop-on-hop-off-Bus in der Innenstadt unterwegs, sahen dabei einige supercoole Segway-Fahrer und bekamen Lust, so etwas auch einmal zu machen. Das heißt, eigentlich bekam diese Lust vor allem der Herr Tonari und steckte das Gasttöchterlein prompt unheilbar an. Die Vorfreude der Frau Tonari hingegen war etwas verhaltener, aber sie war wie immer der Organisator Eventmanager des Vertrauens und durfte daher nicht kneifen. Dabei ist sie eigentlich in solchen Dingen ein bekennender Schisser.
Und damit die drei nicht gleich übertreiben und sich eher vorsichtig der neuen Fortbewegungsart und im Fall der Besucherin aus Japan dem Rechtsverkehr nähern, buchte sie im Internet bei City Segway Tours einfach einen anderthalbsstündigen Schnuppertrip. Einmal vom Alex zum Brandenburger Tor und – hoffentlich heil – wieder zurück.
Und so sehen sie aus, die elektrisch betriebenen Ein-Personen-Transporter. Quasi stark reduzierte Autos mit nur zwei Rädern und einem Fahrrad-Lenker. Aber ohne Knautschzone schützende Blechhülle.
Nach Unterschrift unter der Haftungsauschlusserklärung und einer Runde Helmverteilung begann die Tour wie in der Fahrschule: mit einer locker-flockigen Erklärung des fahrbaren Untersatzes durch unseren Guide Lars und gewürzt mit augenzwinkernden Hinweisen auf mögliche Fehler in der Bedienung. Tja, noch schmunzelten wir Newbies. Sollte uns schnell vergehen… Es sieht nämlich zunächst einfacher aus, als es tatsächlich ist und genau darin liegt die Tücke.
M-chan erwies sich als Naturtalent bei der Nutzung der “Gehhilfe”. Merke: Wii-Erfahrungen scheinen für das reale Leben mitunter nützlich zu sein
Herr Tonari tat sich da schon etwas schwerer und bewies, wie übrigens auch andere Erstteilnehmer, dass ein Segway-Meister nicht einfach so vom Himmel fällt. Frau Tonari drückte sich noch ein bisschen um die Vorführnummer, aber dann musste auch sie wohl oder übel das von ihr als widerspenstig eingestufte Teil kennen lernen. Mit viel Geduld und noch mehr Lob schaffte es der Guide, die Frau mit den Panikzeichen im Auge bei Laune zu halten und verhinderte so ein zu frühes Aufgeben. Was folgte, waren ein paar vorsichtige Proberunden auf dem Platz sowie ein Training für das Fahren über kleinere Schwellen und Bordsteinabsenkungen. Ihr ahnt ja nicht, wie sehr den Jungfernfahrer schon unebene Hydrantendeckel irritieren
Und dann ging es los. In Gänsemarschmanier die erste richtige Strecke hinter sich bringend, dabei gleichzeitig aufgeregt sowohl auf den Vordermann als auch auf unberechenbare Fußgänger und Radfahrer achtend. Und dann muss frau auch noch die die Mimik im Griff haben, denn Segway-Fahrer sind in Berlins Mitte gern (mit)genommene Fotomotive
Nun ja, der Fahrspaß ist das eine. Das andere ist, dass es sich ja um eine Stadtführung der besonderen Art handelt. Also gibt es Ziele, an denen nicht nur angehalten, sondern auch abgestiegen wird. Vermutlich auch nützlich, damit sich die segwayungeübten Muskeln nicht allzu sehr verkrampfen
Absteigen erwies sich für Frau Tonari allerdings als besonders schwierig. Sie verriss beim ersten Mal die Zügel des Stadtgauls und schon bockte er ein bisschen. Und so wurden ihr Lastenträger und sie fortan mit besonderer aufmerksamer Zuwendung des Guides bedacht. Wie peinlich ![]()
Wir stoppten zwischen Neptunbrunnen und Rotem Rathaus, am Lustgarten und auf dem Bebelplatz und natürlich auch vor dem Brandenburger Tor. Berliner und Nichtberliner erfuhren gleichmaßen anekdotengespicktes Neues über die Stadt und ihre touristischen Hightlights. Allerdings hat Frau Tonari noch nie einen echten Berliner Telespargel zum Fernsehturm sagen hören, auch wenn dieses Synonym immer wieder gerne verbreitet wird
Interessant auch, wie die Zaungäste unserer Tour so drauf waren. Harmloser die Fragen nach dem Startpunkt und dem Preis (45€) plus Dauer des Vergnügens (90 Minuten). Weniger harmlos, wenn in einem vermeintlich unbeobachteten Moment die Leute einfach auf die Segways steigen wollen. Die unterschätzen völlig die Gefahr. Geparkt heißt nämlich nicht abgeschaltet. Stell dich mal auf so ein Teil und es fährt plötzlich mit dir los…
Die Krönung war ein Sohn, der seine gehbehinderte Mutter (Mitte 70) auf einem Segway knipsen wollte und den völlig verblüfften Herrn Tonari bat, doch mal in der Zwischenzeit deren Stock zu halten. Leute gibt´s
Auf dem Rückweg vom Brandenburger Tor zum Alex war die kleine Gruppe schon deutlich schneller unterwegs. Alle hatten sich inzwischen an das Gefährt unter ihren Füßen gewöhnt und mochten es kaum wieder hergeben. Nur Frau Tonari war es noch nicht ganz geheuer…
Unvergesslich dennoch. Und noch einmal ein ganz großes Dankeschön an Lars. Du hast es echt geschafft, der Frau Tonari den Stress zu nehmen und diese Tour zu einem großartigen Erlebnis werden zu lassen. Sie ist nämlich nicht ihrem Fluchtinstinkt gefolgt, sondern hat sich getraut… und das wurde belohnt.



Gasttochter?! Ich muss was verpasst haben. (O_O)
Lies mal die allerersten Anfänge dieses Blogs.
Sushi hat Boulette für 14 Tage besucht
Coole Sache! Muss ich irgendwann auch mal machen! Auf der Wii
kann ich’s immerhin schon, aber so wirklich vergleichbar ist das bestimmt nicht.
M-chan hat es geholfen. Sie sagt, wegen Wii. Lass mich wissen, wenn du es ausprobierst.
Hier gibt’s das auch und ich habe auch schon damit geliebäugelt.
Just do it!
“denn Segway-Fahrer sind in Berlins Mitte gern (mit)genommene Fotomotive
” – muss ich jetzt alle Boulevardblätter nach einem Foto von dir durchforsten? – Hut ab dass du dich überwunden hast. Meiner Meinung nach muss dir überhaupt nichts peinlich sein, im Gegenteil, du hast dich draufgetraut.
Ich habe auch noch nie einen “Winkelement” oder “Jahresdendfigur …” sagen hören – so viel zum Telespargel.
Zu dem Sohn und seiner gehbehinderten Mutter fiele mir ja was bitterböses ein, aber das verschlucke ich.
Toll zu lesen, aber zumindest mir macht es keine Lust auf nachahmen, ich habe mein Quantum an Abenteuertum schon hinter mir.
Dir entgeht echt was. Ich bin sicher, das wäre was für dich, liebe Clara.
Heiligs Blechle, das sind Dinge, die Mandy nicht ausprobieren möchte, obwohl sie es absolut cool findet. Wer weiß, was da mit meinen Blechknien passieren würde. Mutig finde ich deine Aktion aber wirklich und damit hast du wohl unser aller Anerkennung.
Hab eine schöne Woche noch. Ganz liebe Grüße.
Stimmt, es geht auf die Knie und auf die Plattbeene. Aber bestimmt nur, weil frau so krampfte. Noch dreimal und ich hab auch Spaß ohne Ende
Meine Bewunderung hast du uneingeschränkt. Auf dieses Vehikel wäre ich nieeeee gestiegen.
Hauptsache, es hat Spaß gemacht.
ich wollte vor unserer Gasttochter nicht kneifen und neugierig war ich ja auch…
Ha, Segway fahren hatte ich vor ein paar Wochen auch. Allerdings nicht im Rahmen einer geführten Tour, sondern nur mehr “just for fun” auf dem Tempelhofer Flugfeld. Ich habe darüber ja gebloggt.
Das war auch um längen günstiger als die geführten Touren. Da hatte man dann mehr Zeit sich auf das Gefährt zu konzentrieren, und mußte nicht mit der Angst leben ein Auto zu rammen.
Wenn Ihr noch einmal Lust dazu habt, macht das mal. Und das Tempelhofer Flugfeld dabei zu erkunden, ist sehr interessant.
Wann kann man denn schon auf einem (ehemaligen) Rollfeld hin und herdüsen? Vielleicht hat ja Euer besuch daran Interesse?
Unser Besuch ist seit heute wieder weg. Danke für den Tipp, lieber Andy. Ich hatte es auf deinem Blog gelesen und mich auch über das Helmfoto gefreut, aber meine “Restfamilie” wollte lieber die Innenstadt und die Herausforderung durch Fußgänger, Radfahrer, Autos, Busse, Hund, Katze, Maus…
Ich kenne das Erlebnis selbst auch noch nicht, würde es aber jederzeit ausprobieren. Macht sicher wirklich Spaß, sofern man vor lauter Achtgeben noch zum Sightseeing kommt.:)
Lieben Gruß
moni
Beim Erklären hielten wir an, stiegen ab und der Guide hatte unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Naja, vielleicht meine nicht, weil ich nach ein paar schönen Motiven Ausschau hielt. Aber ich kenne ja auch die meisten Sehenswürdigkeiten in Berlins Mitte.
Die Dinger fahren hier in Hamburg auch rum. Allerdings schreckt mich dann doch der Preis…. wobei ich gar nicht weiß, was die in Hamburg kosten. Lust hätte ich dazu ja schon mal.
2,5 Stunden (davon 30 Minuten Einweisung) und ca. 10 km Strecke in Hamburg kosten bei http://hamburg.segway-citytour.de 58 € pro Nase.
Ich glaube, in der Münchner Innenstadt gibt es derzeit noch keine Segway-Tours, aber im Olympiapark sind sie unterwegs.
Reizen würde mich das schon einmal…
doch, doch, mitten durch die innenstadt
http://citysegwaytours.com/munich/tours/munich-schnupperfahrt
Oder http://www.seg-tour-munich.de …
Ganz große Ausnahme, dass ich hier Fremdwerbung zulasse…
Ich bin impresst. Ganz toll das ihr das gemacht habt.
Wollte diese fahrbaren Teile schon immer mal testen
Auch schon als wir sie voriges Jahr am Abend am Brandenburger Tor sahen.
Das sah so cool aus.
Aber nun nach deiner Beschreibung trau ich mich wohl nicht.
Ich habe hier auch schon welche gesehen.
Ich bin kein Maßstab, liebe Elke. Wenn Du Rad/Moped fahren kannst, ist auch ein Segway im Prinzip kein Problem. Ich bin immer nur ein bisschen ängstlich in solchen Dingen; hängt vielleicht mit dem Gucken zusammen…
Ich hab diese Teufelsgefährte auch schon hi und da erblickt und musste mir sagen lassen, dass der Erfinder dieser Vehikel mit seiner eigenen Erfindung wohl seinem Leben ein Ende setzte – er stürzte mit diesem Teil über eine Klippe.
Ich weiß nicht ob ich da freiwillig draufsteigen würde? Aber lustig schaut das schon aus *gg*
LG Kerstin
Aaah!… Segway heißen die Teile also. Auf denen kullern mir fortwährend irgendwelche Nordic-Twenager-
, und hab dauernd Angst, dass mir von den klobigen Kullerrollern einer vors Auto rollt. Wo man schon mit den Herrschern der Straße aufm Fahrrad dort seine liebe Not hat. (Die Fahrradwege sind da verdammt eng, und es scheint ein Zeichen von
PiratenTouris an der Leipziger, Ecke Wilhelmstraße vor die Augenlinse, während ich das Lenkrad festhalten muss. Ich hoff dann immer, die haben das a u c h alle trainiertlebensgefährlicherneuer Sportlichkeit zu sein, im Berufsverkehr seine Langsam-Mitradler auf der Autospur zu überholen.)