Going Underground (3)

Heute folgt nun das Kontrastprogramm zum gestrigen Beitrag.

U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße

Gelegentlich bin ich auf der U8 unterwegs. Bisher völlig unemotional. Vor einigen Wochen jedoch hatte ich dort mein erstes Drogenerlebnis. Nein, natürlich nicht beim Selbstkonsumieren, sondern beim Beobachten der Arbeit des Rauschgiftdezernates.

Auf diesem gruseligen Bahnhof, der seit Monaten halbherzig bis nicht vorankommend saniert wird, hatten Polizisten einen dunkelhäutigen und offensichtlich noch minderjährigen Jungen aufgegriffen und wollten immer und immer wieder von ihm wissen, wo er das “Zeugs” versteckt hat.  Schmal sah er aus, der Knabe.  Aber irgendwie nicht eingeschüchtert. Auch nicht dreist. Eher gut geschult und wissend, dass ihm schon nichts passieren wird. (Minderjährige werden in Berlin in zunehmendem Maße von Drogenbanden als Dealer eingesetzt und die Polizei muss hilflos zu sehen.)  Der Junge konnte oder wollte kein Deutsch verstehen. Das allerdings nahmen im die Ordnunghüter nicht ab, denn zum Verticken der Drogen sollte man sich schon verständigen können.  Irreal war die Situation aber doch, denn während einer auf den Verdächtigen aufpasste, suchten die beiden anderen ziemlich frustriert nach möglichen Verstecken.

Irgendwann raunten sie sich etwas von “zwei Minuten” zu, was sich exakt mit der Einfahrt meiner Bahn deckte. Beim Einsteigen sah ich noch, wie sie sich ganz zielsicher ein Junkiepärchen griffen…

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21 Antworten zu Going Underground (3)

  1. Chrille schreibt:

    Ja, das ist nicht gerade toll!
    Habe ich auch schon sehr oft beobachten können.
    Schlimm so etwas, wenn man sich vorstellt wie jung teilweise diese Drogenverticker erst sind!
    Man kann nur hoffen, dass die da wieder rausfinden und ein besseres Leben beginnen!

    • tonari schreibt:

      Also für mich war es ein Ersterlebnis. Kann aber auch sein, dass ich bisher auf dem Auge blind war ;-)
      Was die Rückkehr zur Normalität dieser Kinder betrifft, habe ich erhebliche Zweifel. Es sei denn, man trennt sie völlig von den Banden und/oder den Großfamilien. Und noch gibt es keine wirksamen Konzepte.

  2. VEB wortfeile schreibt:

    ich hab mal am kotti gesehen, wie ein junkie koks aus den ritzen zwischen den steinen versuchte zu kratzen. die umgebung des u-bahnhofs heinestraße ist auch nicht dolle. ich war da mal mit dem rad unterwegs, huuuuhh.

    • tonari schreibt:

      Ja, olle Heinrich würde sich im Grabe drehen ;-)

      Denk ich an Deutschland in der Nacht,
      Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
      Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
      Und meine heißen Tränen fließen.

  3. freidenkerin schreibt:

    Das ist leider nichts Neues. Ein naher Verwandter hatte sich vor beinahe dreißig Jahren als Vierzehn-/Fünfzehnjähriger das Taschengeld durch Verticken von Cannabis auf dem Schulhof des Berchtesgadener Gymnasiums aufgebessert.

  4. Anna-Lena schreibt:

    Bittere Realität einer Großstadt und auch so mancher Kleinstadt.
    Den Bahnhof hast du wirklich als Kontrastprogramm gewählt, aber auch das ist Berlin.

  5. Himmelhoch schreibt:

    Ich glaube, dass war einer der (wenigen) Vorteile im Osten: Unser Geld wollte keiner, also gab es auch so gut wie keine Drogen. In meiner Generation hatte nicht ein einziger Angst um die Kinder, dass die drogenabhängig werden könnten. Das Wort kannte ich kaum!

  6. Emily schreibt:

    Das Problem ist vermutlich überall zur Realität geworden. In jeder Stadt gibt es Ecken, in denen man darauf stößt. Kinder sind – wie so oft bei Straftaten – das beste Werkzeug. Absolutes Kontrastprogramm!

  7. AndiBerlin schreibt:

    Ja die Linie 8 ist wirklich heftig. Bis vor zweieinhalb Jahren mußte ich die Strecke oft befahren um zu meinem damaligen Arbeitsplatz zu kommen.
    Und was ich da gesehen habe, war echt erschreckend. Offen wurde da von jugendlichen mit Drogen gedealt. Und ich mußte selbst feststellen, wie der alltägliche Anblick einen selbst abgestumpft hat.

    • tonari schreibt:

      Ich lese sehr oft in der Bahn, da bekomme ich nicht viel mit, was um mich passiert. Und die U8 ist normalerweise nicht “meine” Strecke.

  8. ute42 schreibt:

    Das ist die dunkle Seite der U-Bahn. Wenn man Kinder im entsprechenden Alter hat kann man nur hoffen, dass sie nicht in solche Kreise hineingezogen werden.
    LG Ute

  9. B-like-Berlin schreibt:

    Das passiert nicht nur auf der Linie 8. Auf dem U-Adenauerplatz, am Kurfürstendamm, spielt sich dasselbe Schauspiel ab.

  10. smultronella schreibt:

    Manno, nee, das ist ja mein U-Bahnhof :( Was für ‘ne Schande!
    Fein ist der nicht gerade, aber sowas hätte ich eher woanders erwartet. Kotti, Stutti usw.

    • tonari schreibt:

      Echt jetzt? Du kommst aus der Ecke Berlins?
      Der Bahnhof wir seit Monaten (gefühlten Jahren) saniert. Wenn er mal in neuem Glanze erstrahlt, werde ich ihn zeigen. Versprochen.

      • smultronella schreibt:

        Ich hab da mal viele Jahre gewohnt. Aber da war das noch ein Geisterbahnhof und von oben natürlich dicht verschlossen.
        Ja, seit Ewigkeiten ist das eine Baustelle an der keiner was macht. Werd mal am nächsten Wochenende eine “Inspektion” machen :)

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