widerlich

Damals war’s. Seebären und (ehemalige) Sträflinge präsentierten mehr oder weniger stolz ihre Tätowierungen. Irgendwie haftete diesen Tattoos immer etwas Verruchtes an. Okay, mein Opa hatte auch ein Herz auf dem Unterarm. Ich fand ihn nicht verrucht, wollte im zarten Kindesalter nur unbedingt wissen, wie das da hingekommen ist und ob das sehr schmerzhaft gewesen sei.

Inzwischen stellen Ar*geweihe und anderer bildlicher Körperschmuck kaum noch eine Besonderheit dar. Eigentlich gucke ich kaum noch hin, es sei denn, er ist außergewöhnlich auffallend.

Vor ein paar Tagen wurde ich auf einem Bahnsteig Zeugin des kaum zu überhörenden Überraschungsausrufes eines jungen Mannes „Wie g*e*i*l* ist das denn? Darf ich mal Deine Waden fotografieren?“ Sprach’s, hockte sich nieder und rückte einem spärlich bekleideten Mädel mit dem Fotohandy von hinten auf die Pelle. Nun ja. Zumindest war meine Neugier geweckt, denn auch nach dem Einsteigen bekam sich der Typ überhaupt nicht wieder ein und zollte der „Lady“ seinen Respekt.  Meine Neugier war geweckt. Ein kurzer Blick wird ja wohl erlaubt sein. Sie stand in der Bahn schließlich ziemlich in meiner Nähe. Was ich dann aber sah, ließ mich erstarren:

Das waren keine abwaschbaren Klebebildchen, keine aufgemalten Hennatatoos, kein Bodypainting. Es waren nahezu unauslöschlich in die Haut gestochene politische Bekundungen der widerlichsten Art. Bunt und in Farbe. Auf einem Oberarm prangte ein Soldat der Wehrmacht, hinzu kamen diverse Waffen und R*u*n*e*n. Komplette Fassungslosigkeit machte sich in mir breit, dann musste ich mich übergeben aussteigen. Sie auch, lief vor mir die Treppen hinunter und machte damit den Weg frei für einen Blick auf ihre rückwärtige Ansicht. Zwischen den Schulterblättern, das Shirt erlaubte tiefe Einblicke, in großen Lettern das Wort „Waffen-…“ und auf den Waden die farbigen Porträts der größten Verbrecher, die die unrühmliche deutsche Geschichte im letzten Jahrhundert so hergegeben hat.  Unglaublich.  Die ganze N*a*z*i-Braut war eine einzige  Littfaßsäule ihrer für mich nicht zu tolerierenden Gesinnung.

Ich frage mich, wessen Geistes Kind so jemand eigentlich ist. Ich frage mich aber auch, wie man damit umgehen soll, wenn jemand so offen und hemmungslos die Symbole der braunen Brut zur Schau stellt.

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25 Antworten zu widerlich

  1. Himmelhoch schreibt:

    Britta, ich dachte echt und ehrlich, dass so etwas strafbar wäre, weil es Symbole aus dem dritten Reich verherrlicht. Ich habe schon gelesen, dass Leute mit einem Runengürtel bestraft wurden – und dann sollte es einfach so möglich sein, das offen rumzutragen? Das muss doch schon mal jemand aufgefallen sein. – Da kann man schon nicht mehr von schlechtem Geschmack sprechen!

  2. VEB wortfeile schreibt:

    die symbole sind zwar auf den klamotten und fahnen verboten, aber an die haut kann der verfassungsschutz wohl nicht ran. keine ahnung, was man in einem solchen fall überhaupt machen kann – ganzkörperbedeckung erzwingen? jedenfalls sieht ihre haut für immer schlecht aus und im wahrsten sinne schei** gezeichnet.

  3. Fellmonsterchen schreibt:

    Ekelhaft. Müsste man eigentlich per Zwang weglasern lassen. Erschreckend, wie dumm einige Menschen sein müssen, um immer noch dieser scheußlichen Ideologie anzuhängen.

  4. AndiBerlin schreibt:

    Das ist ja echt abartig.
    Wie alt war denn das Mädel so ungefähr? Ich fände es um so schrecklicher, wenn sie noch sehr jung war, und ihre politische Meinung / Bildung noch nicht so richtig gefestigt ist. Mit den Tattoos hat sie sich aber echt ihr weiteres Leben verbaut.
    Frage mich gerade, ob man den Stecher dafür nicht belangen kann, die “Zeichnungen” stammen ja aus seiner Hand.

  5. Frau Momo schreibt:

    Einfach wohl komplett hirnlos, das Mädel…..

  6. zimtapfel schreibt:

    Uuuuah, wie ekelhaft!
    Frage mich, was sie wohl macht, wenn sich ihre Überzeugungen irgendwann im Laufe ihres Lebens doch noch ändern. Bei manchen soll das ja mit zunehmender Reife schon mal passieren…

  7. Lebensumbau schreibt:

    … da fehlen mir echt die Worte. Unfassbar :-( .

  8. Sudda Sudda schreibt:

    Dazu fällt mir echt nix ein. Das gibt es doch gar nicht. Ich dachte auch, dass das verboten sei! Unglaublich. Und sie wird es immer bei sich haben. Auch wenn sie irgendwann aufwacht und klarer sieht. Weißte was? Gönn ich ihr. Schön blöd!

  9. april schreibt:

    Ich denke, dass das angezeigt gehört. Schließlich gibt es ja auch jemanden, der diese ‘Sachen’ gestochen hat. ‘Abmachen’ kann man sie ja wohl nicht mehr. Wie schrecklich so was.

  10. ute42 schreibt:

    Wie april schon sagt, das Stechen solcher Scheußlichkeiten müsste verboten werden, oder ist es das vielleicht sogar? Dann könnte man über das Mädchen doch den “Täter” finden.
    Das Mädchen straft sich selbst, denn irgendwann in ihrem Leben wird sie sehr unglücklich darüber sein.
    Ich bin einfach nur entsetzt über so etwas.
    LG Ute

  11. Tine schreibt:

    Abschaum, elendes Gesindel ohne Hirn! Ich bin auch fassungslos, daß so etwas hier immer noch möglich ist!

  12. Anna-Lena schreibt:

    Unglaublich, wie bescheuert manche Menschen sind!! Und der Ausspruch”WIE GEIL IST DAS DENN?” sagt auch alles.

    Sollte dieses Mädchen mal dick und fett werden, sieht das bestimmt noch abartiger aus.
    Anzeigen, ja, aber wie? Das ist doch nicht so einfach ohne Namen.
    Und welches Risiko geht man dabei selbst ein?

    Nachdenklich,
    Anna-Lena

  13. freidenkerin schreibt:

    Da trägt jemand für Abartiges, Widerliches, Ekelerregendes sozusagen seine Haut zu Markte. Armselig ist so etwas. Und irgendwie bezeichnend für diesen Staat, in dem so ein Wesen für die größten Verbrechen der Menschheit ungestraft Schau laufen darf, und andererseits lauteren Journalisten mit Berufsethos der Prozess gemacht wird, weil sie eine Sauerei sondergleich aufdeckten (Sachsensumpf).

  14. chinomso schreibt:

    Das ist ja wohl unfassbar. Ich denke auch, Tattoo Studios die sowas im Angebot haben sollten umgehend ohne viel Zipp und Zapp geschlossen werden. Und man sollte Leute los schicken, die als V-Mann, sowas suchen. Und wenn das Studio es anbietet…. zack, Laden schließen.

    Aber das Mädchen hat ja wohl einen riesigen Fehler gemacht. Wenn sie eines Tages zu Verstand kommt (was zu hoffen bleibt) dann muss sie enorm viel Geld ausgeben und viele Schmerzen aushalten um das weg lasern zu lassen. Aber dieses Geld ist als Strafe jeden Cent wert. Schlimm genug, dass jemand so drauf ist. Und das dann auch noch als Tattoo? Ich bin wirklich platt.

  15. Gedankenkruemel schreibt:

    Bin sprachlos und chockiert.
    Sie gehörte warscheinlich irgend einer Gruppe
    an, die sie dazu animiert haben.

  16. minibares schreibt:

    Ich denke auch, dass sowas strafbar ist.
    Diese Un-Personen zu verherrlichen…
    Denn z.B. der H-Gruss ist doch auch strafbar. (denk ich, hoff ich)

    Die dürfte doch gar keine normale Arbeit finden können.
    Und in einen Flieger dürfte sie eigentlich auch nicht reinkommen können.

    Boah, ist ja irre. Solche fehlgeleiteten Personen gibt es leider viel zu viele.

  17. GZi schreibt:

    Unglaublich, ich bin sprach- und fassungslos und voller Fragen und Zweifel, wie man dem vorbeugen könnte… Verbote + Strafen (wenn es die nicht schon gibt) für die Stecher und auch für die TrägerInnen, noch mehr Aufklärung, noch mehr Verbote und Überprüfung von Gruppen und Organisationen…
    Ganz wird man sowas wohl nie in den Griff bekommen, aber wenn es solche Auswüchse annimmt, ist es schon sehr bedenklich!

  18. Blinkfeuer schreibt:

    Nun, was hat sie gemacht, sie, die wohl noch jung ist?
    In einem Land, in dem die “Nachfolgepartei” den Außenminister stellt, einen, der plärrt “Kombattanten seien zu erschießen”; und das im Krieg, den es nicht gibt, in einem D- SchLand, das für 2048 mit Hilfe der EU (die dann Doitsch zu sein hat, s.a. das aktuelle Angebot des Gutti, kleinere (noch)Staaten könnten doch ihre Armeen in der BW aufgehen sehen, sich einbringen, oder…Jugoslawien!), also 2048 die “Russisch- chinesische Föderation” angreifen will (Ist ein Bundesamt, nicht Spiegel online oder ähnliche Stümper), denkt die Tussi an ihre Zukunft im Ausbeuterstaat, ohne das sie es merkt. Ist doch prima, wo doch der CDU so viele Kranke weglaufen.
    Kann auch hier sich bewerben. Kurz ne Depesche nach Bad Ems senden, das wird schon. Man, ihr Vatta ist sicher bei der FA* oder WE*T, da gilt es anzusetzen, nicht wie und ob die rumrennt. Die Zeitungen, die noch immer “Oberstu*mbaN*kameraden” beerdigen, die ebnen den Weg. Und diese Joschkas, diese Fischers. Kotztüte da?

    • tonari schreibt:

      Hallo Blinkfeuer,
      willkommen hier bei Frau Tonari.
      Dein Beitrag klingt aber auch nach ganz, ganz viel Frust. Du bist doch nicht etwa ein funkensprühendes radikales Blinkfeuerwerk?

  19. Lilie schreibt:

    Das darf doch wohl nicht wahr sein …. Ich bin entsetzt!!! Der Tatoo-Laden gehört meines Erachtens genau so bestraft wie die wandelnde N*a*z*i-Leinwand …

  20. tonari schreibt:

    @ alle
    Ich glaube schon, dass man “offiziell” solch Zeichen, Köpfe und Sprüche nicht in die Haut stechen darf, aber für alles gibt es eben auch illegale Anbieter. Notfalls im Ausland.
    Das Mädel war Anfang bis Mitte Zwanzig. Ich hoffe sehr, sie kommt wieder zur Besinnung und wird dann schmerzhaft das Auslöschen der Tätowierungen erleben müssen. Ob das rückstandslos gelingt? Ich weiß es nicht.

  21. Pingback: Zeit sparen, die wir alle brauchen « Claras Allerleiweltsgedanken

  22. Andrea schreibt:

    ich frage mich, wer so was auf einen fremden Körper tätowiert … das ist ja mindestens genau so schlimm. das mädel tut mir leid. in nicht allzu langer zeit wird sie es sicher bitterlich bereuen, ihren körper so verschandelt zu haben …

  23. ankeberlin schreibt:

    Stellt sich die Frage, wie bewußt diese Frau mit sich selbst umgeht?

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