S(tress)-Bahn

Die „Service“-Nachricht des heutigen Tages unserer S-Bahn

Aufgrund kurzfristig notwendiger sicherheitsrelevanter Überprüfungen bietet die S-Bahn ab Dienstag, 08.09.09 nur einen stark eingeschränkten Fahrplan an. Es werden nicht alle Streckenabschnitte bedient.

klingt wie Hohn.

Seit geraumer Zeit läuft es nicht mehr rund in Berlins S-Bahnen. Allmählich jedoch schien es sich wieder zu normalisieren und prompt kommt die nächste Chaosmeldung: Seit heute früh ist nur noch jede vierte S-Bahn in Betrieb. Besonders ärgerlich ist alles, weil man als Außenstehender den Eindruck gewinnt, dass die Bahn nur jeweils so viel an technischen Wartungsmängeln zugibt, wie gerade auffliegen entdeckt werden. Erst waren nach Sicherheitsüberprüfungen die Räder in jämmerlichem Zustand, nun sind es die Bremszylinder, die den Dienst versagen (könnten). Eine peinliche Panne jagt die nächste. Was wird man wohl als nächstes entdecken und reagieren müssen? „Die Bahn kommt!“* auf den Hund.

Viele Linien können jedenfalls nicht mehr bedient werden oder sind auf einen 20-Minuten-Takt ausgedünnt. Vierundzwanzig Berliner Bahnhöfe mussten schließen. Zustände wie … Ich glaube, die S-Bahn verostet allmählich ;-) Diese sicherheitsrelevanten Fahrzeugmängel sind das u.a. Ergebnis von Werkstättenschließungen, Gewinnmaximierung und des „Fahrens auf Verschleiß“. Kommt mir irgendwie bekannt vor…

Zugausfälle, Verspätungen, Not- und Basisfahrplan rauben mir seit Ende Juni Freizeit. Mein täglicher Arbeitsweg dauert jetzt fast anderthalb statt einer Stunde jeweils morgens und abends.

Heute früh stürzten sich Massen von Menschen in die ohnehin schon überfüllten Züge der Ring-Bahn. Wie zum Hohn gab es eine Ansage vom Band, dass sich der Zug um 35 Minuten verspäten würde. Häh, er war da. Gerade eben angekommen. Nein, es ist keine Freude, wenn der Zug den Bahnhof erreicht und genau dort, wo man einsteigen möchte, ist das komplette Abteil zwar leer, aber verschlossen. Und dann liest der temporär verhinderte Fahrgast schwarz auf orange, dass man den Wagen leider wegen mutwilligen Zerstörungen & Vandalismus schließen musste. Ja, da kann man auch wirklich kurzzeitig Aggressionen bekommen. Also auf zum nächsten Waggon und versuchen, sich noch in den Zug zu quetschen, bevor er weiter fährt.

Es ist wahrlich kein Genuss, wenn man in den Waggons wie Vieh so dicht gedrängt steht, dass frau den Raucheratem des ihr zugewandten Mitreisenden direkt ein zweites Mal inhalieren muss. Mit den eigenen Händen wusste man auch kaum noch wohin ;-) Dazwischen Fahrräder, deren Besitzer sich ganz klein zu machen versuchten, um nicht den Zorn der umstehenden Grundgenervten auf sich zu laden. Und natürlich waren auch wieder ultracoole Witzbolde in Kleingruppen unterwegs, die der Situation noch lautstark Pseudolustiges abgewinnen konnten wollten. Selten so gelacht.

Bisher habe ich mich ja dem Chor der Meckerer nicht angeschlossen, geduldig die nicht zu ändernde Situation und die mitunter bedrückende Enge ertragen und auch ganz tapfer nicht über die Zustände gebloggt. Aber jetzt musste der Stress mal raus. „Die Bahn kommt!“* nicht, sie nervt!

Und ich möchte nicht wirklich darüber nachdenken, an welchen Stellen es bei den „großen“ Zügen hapert…

„Die Bahn kommt!“* – ehemaliger Werbeslogan der deutschen Bahn

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15 Antworten zu S(tress)-Bahn

  1. AndiBerlin schreibt:

    Hätte ich mir im April nicht nach langem zögern wieder ein Auto gekauft, stände ich ganz schön doof da.
    Denn beide Züge die ich nehmen könnte um die Arbeit in Teltow zu erreichen (die S1 und die S25) fahren nicht bis zu den Stationen an denen ich aussteigen müßte.
    Unbewußt habe ich mir zum günstigsten Zeitpunkt das Auto gekauft.

    Ja und der in meinen Augen Hauptverantwortliche für die ganze Misere sitzt jetzt im hohen Posten bei “Air Berlin”. Da kann er dann weiter kaputt sparen.
    Ich weiß schon welche Fluggesellschaft ich in Zukunft meiden werde.

  2. Chrille schreibt:

    Wegen diesem Mist musste meine Mutter heute anders zur Arbeit fahren.

    Ich bin gespannt was uns Berliner noch so erwartet.
    Beim nächsten Mal kann die Bahn folgendes von mir erwarten: “Da jibt det von mir watt uff dit Backpfeifenjesicht”

    Aber man sieht jetzt wunderbar, wo “Mehbahn” überall gespart hat.
    Hauptsache er hatte Geld!!
    Der neue Bahnchef muss wohl alles nachholen und das auf Kosten der Nerven vieler Berliner.

  3. Straycat schreibt:

    Als Fahrlehrerin bin ich zum Glück nicht auf die “S-(chrott)bahn” angewiesen, aber der Weg von Spandau nach Mitte heute war die Hölle :-( Ich gestehe ich habe absolutes Mitleid mit denen die auf dieses Verkehrsmittel angewiesen sind!

    P.S.: Danke für das Willkommen hier in einem anderem Artikel ;-)

  4. tonari schreibt:

    @ Andi
    Ich will aber nicht mit dem Schnuckelchen durch die ganze Stadt und beim Parkplatzsuchen quälen. Hier auf Arbeit herrscht nämlich Parkdruck ;-)
    Tja, und zum Billigfleiger sei gesagt, dass auch sie schon ihren Flugplan ausdünnen :lol:

    @ Chrille
    Die Mitarbeiter, die bahn jetzt als menschliche Blitzableiter auf den Bahnsteigen postiert, können einem nur aus vollem Herzen leid tun. Bitte hau nicht sie ;-)

    @ straycat
    Wenn das so weiter geht, dann sind die Straßen bald so verstopft wie bei den berüchtigten Streiktagen und Du kannst mit Deinen Fahrschülern ganztags Anfahren und Bremsen üben ;-)

  5. elke schreibt:

    die Mitarbeiter müssen dann herhalten
    für den Frust der Fahrgäste.
    Dabei können die ja nichts dafür.
    Dem Management (bzw Vorstand) und
    den Politikern sollte man die Hölle heiss machen.
    das ganze ist skandalös.

  6. Chrille schreibt:

    @tonari
    Nein die natürlich nicht – die können wirklich nichts für diesen Mist ;)

  7. freidenkerin schreibt:

    Leider macht sich die Bahn in solchen Fällen kaum die Mühe, ihre Mitarbeiter ausreichend zu informieren. Da kann es dann schon vorkommen, daß z. B. in München an der S-Bahn-Haltestelle Donnersberger Brücke einige zu Informationszwecken abgestellte junge Damen und Herren in orangefarbenen Sicherheitswesten einen Trupp amerikanischer Touristen auf einen riesigen Umweg schicken wollten, weil sie nicht einmal wußten, daß von dieser Haltestelle aus jeder Zug Richtung Hauptbahnhof fährt.
    Das Benutzen der S-Bahn wird auch hier in München zunehmend zum Abenteuer. Unangekündigt fallen da schon mal für einen halben Tag sämtliche Züge einer bestimmten Linie aus, von Pünktlichkeit haben die Herrschaften noch nie etwas gehört, und das Netz des MVV ist ungemein kompliziert und unübersichtlich. Aber die Fahrpreise Jahr um Jahr kräftig erhöhen, das bringt man ohne jeglichen Skrupel zustande!

  8. tonari schreibt:

    @ Elke
    Den Vorstand haben sie ja nun schon mal ausgetauscht, allerdings fehlt mir der Glaube, dass das was bringen soll. Die Vorgaben kommen aus dem Mutterschiff ;-)

    @ Chrille
    Schön, wenn ich Dich befriedet habe ;-)

    @ Freidenkerin
    Auf der Heimfahrt kam mir so die krude Idee, der Bahn meine verlorene Zeit in Rechnung zustellen ;-) Eine Stunde am Tag mal Arbeitstage im Monat mal jetzt seit Ende Juni mal Stundenlohn und schon bin ich mindestens bei einem Jahr Freifahrt ;-) und nicht nur dem angebotenen läppischen Monat Dezember als Entschädigung.

  9. raeuberbraut schreibt:

    “lach” S(tress)-Bahn trifft die Bezeichnung aufs Wort. Danke liebe Tonari, dass Du als Berlinerin Deine Zurückhaltung in punkto “Meckern” aufgiebst. Wenn niemand meckert, sich alle in Dinge fügen, die nun wirklich nicht mehr normal sind, was wird sich dann ändern? Mein Weg zur Arbeit betrug gestern 2 Stunden – unglaublich und dazu noch das Informationspesonal, das “schmatzend” hinterm Thresen hockt und keine Auskunft geben kann. Aber zum Glück war sie ja “kugelsicher” verbarrikadiert :-)

    Aber freidenkerin hat ja so Recht “DB und Telekom” der gleiche S…haufen. Habe mit beiden unangenehme Erfahrungen gemacht.

    Liebe Grüße
    Ronja

  10. Chrille schreibt:

    Das soll sich wohl einige Wochen oder sogar Monate hinziehen habe ich heute zu Ohr bekommen :shock:
    Wenn das so sein sollte, na dann “Gut Nacht!” :shock:

  11. rumiko schreibt:

    Hallo,tonari.
    Ich habe über die Nachricht für S(tress)-Bahn gesehen.
    Nur jede vierte!
    Die ist für mich eine unglaubliche Geschichte,
    weil mein Image für deutsche Unternehmen sicher und pünktlich ist.
    Du Arme!

    Jetzt wird die bahn etwas besser?
    Ich hoffe,dass dein Arbeitsweg schnell wieder in Ordnung kommt.

    Und,vielen Dank für dein Hinweiskommentar in meinem Blog.
    Arigatou!

    Liebe Grüße
    Rumiko

  12. Sarah schreibt:

    Ja da leistet sie sich mal wieder was, die Bahn. Bei uns gibts sowas ja gar nicht, also S-Bahnen. Dafür ist aber einmal Bus fahren durch unsere Stadt, die ja nicht gerade eine Metropole ist, 80 cent teurer als einmal U-Bahn fahren durch ganz Paris. Spitze :D.
    Bei uns baut die Bahn gerade am Hauptbahnhof Bahnsteige. Super Sache, weil man nämlich jetzt nur noch durch das Bahnhofsgebäude zu den Gleisen kommt, alles viel zu eng ist und staubig und die Züge Verspätung haben. Aber sie fahren zumindest alle…
    Aber dass einer von der Bahn irgendwelche Ahnung hat oder gar freundlich ist, hab ich ja noch nie erlebt. Und ich fahr oft.

  13. tonari schreibt:

    @ Räuberbraut
    Tja, nur leider ändert man in diesem Fall mit Meckern auch nix. Es geht einem nur kurzzeitig besser ;-)

    @ Chrille
    Düstere Prognosen sprechen von mindestens bis Ende Dezember. Und dann schweigen sie über das Jahr ;-)

    @ Rumiko
    Leider wird es nicht schnell wieder in Ordnung sein. Kein Vergleich zu den Shinkansen oder JR in Japan. Leider.

    @ Sarah
    Sei bloß froh, dass Du nicht nach London gehst. Die Bahnen dort sind die Hölle…

  14. Kuntergrün schreibt:

    Ich hatte ja ein wenig den Eindruck, dass die Wartungsarbeiten kurzzeitig zugunsten der Leichtathletik-WM wieder eingesetzt wurden..

  15. Kuntergrün schreibt:

    Äh, die Züge wurden ein-, die Wartungsarbeiten ausgesetzt ;) Ist schon spät!

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