Die letzte Woche ihrer Zeit in Deutschland war eine einzige Abschiedstournee.
Am Montag und Dienstag fanden die beiden Sommerkonzerte des Schulchores statt. Für den zweiten Abend hatte Marina uns Karten besorgt. Naja, so richtig genießen konnte ich es nicht. Zum einen, weil das den nahenden Abschied noch greifbarer machte und zum anderen, weil ich alles mit der blöden Videokamera festhalten musste. Diese Aufgabe hat sonst immer der beste Chorauftrittfilmer von allen übernommen. Der aber schwächelte an diesem Tag
und konnte sich später alles nur als Mitschnitt ansehen. Auch diesmal war wieder ein japanisches Lied im Programm und Marina begleitetes es am Flügel. Eine Strophe sang der Chor, eine sie.
Eine sehr schöne Tradition des Chorleiters ist es, den jungen Menschen, die den Chor wegen des bestandenen Abiturs verlassen, eine Stimmgabel zu schenken,
damit sie auch im Leben immer den richtigen Ton treffen.
Sehr bewegend auch die Marinas Verabschiedung. Zu ihrer großen Freude bekam auch sie eine Stimmgabel überreicht. Und wurde noch einmal extra beschenkt. Wobei mir sofort der Atem stockte, als ich die überdimensionale Verpackung sah. Wie soll das denn bitte in den Koffer gehen, schoss es mir durch den Kopf. Beim Auspacken entpuppte sich das Geschenk dann aber als Rollbild in Form eines Notenschlüssels. Puh!
Zum Glück hatten das Gast- und Töchterlein nach dem Konzert gemeinsam reichlich mit dem Text für Marinas Eltern zum re-entry-Shock zu tun. Das lenkte gut ab.
Am Mittwoch hatten nachmittags einige ihrer Freundinnen zum Grillen eingeladen und abends musste nun wirklich gepackt werden. Das erste 20kg-Paket war gefüllt, ein zweites auch und noch immer gab es einen Rest, der schwerer war als in den Koffer durfte. Und ich ahnte, dass es vermutlich noch Abschiedsgeschenke regnen wird und auch dafür Platz (und Restgewicht) übrig bleiben muss. Und Marina hatte keine Lust. “Ich mag nicht packen!” Tränen - erst ihre, dann meine. Schmerzlich, diese Zerrissenheit zu sehen. Klar freute sie sich auf ihre Eltern, Familie und Freunde in Japan. Aber sie wollte auch gerne noch bleiben…
Donnerstag dann fuhren wir zu Cata und ihrer Familie. Sie haben eine wunderbar große Terasse und beim Wettergott pünktlich zu unserem Eintreffen Sonne bestellt. Den ganzen Tag war es nämlich grau und nieselig gewesen und sah eher nach einer gepflegten Wohnzimerparty aus.

Und wie man sehen kann, gab es ziemlich hungrige junge Menschen am Tisch
mit gehörigem Appetit und viel Spaß miteinander sowieso. Selbst Catas kleiner Sohn, seines Zeichens bekennender Salat- und Gemüsehasser, hat kräftig zugelangt. Allerdings haben wir ihm gemeinerweise erst hinterher gesagt, was er da eben alles gegessen hat. So lange war es nämlich nur ein japanisches Essen namens Okonomiyaki.
Tja, dann hieß es auch hier irgendwann “Auf Wiedersehen” zu sagen. Und natürlich gab es auch ein bzw. zwei Abschiedsgeschenke. Ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel (Gut, dass ich es wusste. So konnte quasi in letzter Minute einen Selbstkauf verhindert werden.) und ein Brandenburger Tor aus Schokolade. Die Freude war riesig. Marina mag das Spiel und sie mag Süßes.
Danke Cata, dass wir den letzten Abend bei dir sein durften. Zu Hause wäre vielleicht der Abschieds-Blues noch viel früher gekommen. So waren alle in größerer Runde ein bisschen mehr abgelenkt.
Wir haben dann zu Hause bis weit nach Mitternacht am Küchentisch gesessen, erzählt und gelacht. Lieber hat unsere Gasttochter den Geschirrspüler ausgeräumt, als die letzten Handgriffe in Sachen Kofferpacken zu machen. Um halb zwei fiel ich todmüde ins Bett und Marina telefonierte noch mit ihrer Mutter in Japan. Der letzte Tag war angebrochen… (Fortsetzung folgt)



Ja, der letzte Abend war sehr schön und weniger sentimental als ich befürchtete hatte *heul* dank Gemüsehasser und Co. und lecker Okonomiyaki und Musik der Wise Gyse,

und dass sogar der Gastbruder mitgekommen ist …
Und das mit dem Wetter haben wir doch auch toll hinbekommen oder?
Aber seitdem sind wir alle schon auch ziemlich bedrückt und oft in Gedanken bei euch und Marina und haben das eine oder andere Tränchen weggewischt.
Liebe Grüße auch an Marina (wenn sie euch anruft)!!!
cata
das bedeutet, dass sie nun schon wieder zuhause in Japan ist? ich hoffe, ihr habt den Abschied gut gemeister bekommen, ist bestimmt alles anderes als einfach. Man weiß ja gar nicht, ob man sich jemals wiedersieht ….