Muss ich schreiben, wie müde wir alle am Sonnabend waren, als der Wecker um 6 Uhr klingelte? Vermutlich nicht.
Kurz nach acht fuhr nämlich der Regionalexpress nach Stralsund. Unter für uns erstmaliger Zuhilfenahme des Schönen-Wochenend-Tickets brachte uns die Bahn an den Strelasund. Unschlagbare 37 Euro für die Hin- und Rückreise zu viert. Unser Töchterlein hat sich nämlich ein bisschen von ihrer kostbaren Zeit abgeknapst und uns begleitet.
Wunderbares Sonnenwetter und das frische Grün der Wälder und Felder machten die Zugfahrt zu einem Augenschmaus. Unterwegs leuchtete der Raps in voller Pracht. Leider saßen im gleichen Abteil ein paar junge Frauen, die ohne zwischendurch Luft zu holen und akustisch sehr raumgreifend zwischen Ziel- und Endbahnhof ihre Beziehungsprobleme darstellen und diskutieren wollten. Das kann bei fast dreistündiger Fahrt ziemlich nerven. Zumal, wenn die Hauptakteurin ihre Stimme so gekünstelt hochzieht und dabei aus Sauerstoffmangel schnappatmet, dass man um ihre Gesundheit fürchten musste

Ziel unserer Reise war vor allem das größte deutsche Meeresmuseum, das Ozeaneum. Es war im vergangenen Sommer mit viel Tamtam eröffnet worden und gilt seitdem als Attraktion.
Vom Bahnhof aus erreichten wir den Ausstellungskomplex am Hafen nach einem gemütlichen halbstündigen Spaziergang. Zum Glück habe ich vorher ins Internet geschaut, um zu wissen, wo das Museum eigentlich liegt, denn Wegweiser habe ich nicht entdecken können.

So sieht er also aus, der moderne Neubau. Er mag funktional sein, passt aber für meinen Geschmack überhaupt nicht in die bestehende Hafenarchitektur aus alten Speichergebäuden. Weder farblich durch das gleißende Weiß und die Stahl-Glas-Konstruktion inmitten norddeutscher Backsteinbauten, noch von der erdrückenden Form. Da gliedert sich kein neuer Baustein in die bestehende Struktur ein, sondern protzt als Kontrast. Ich finde es nicht so spektakulär gelungen. Aber über Geschmack lässt sich trefflich streiten.
Die Eintrittspreise würde ich als inzwischen für solche Besuchermagneten üblich einstufen. Was nicht heißen soll, dass ich darüber begeistert bin. Erfreulich war, dass wir kaum anstehen mussten und anstandslos für uns und Marina eine Familienkarte (31 €) bekamen und nicht erklären mussten, warum das “Kind” so offensichtlich anders aussieht. Da habe ich in Deutschland schon anderes erlebt. Acht Euro kamen für Töchterleins Studententicket hinzu und ein Euro kostete die Fotoerlaubnis. Leider gibt es überhaupt keine Audioguides. Die neben den Exponaten angebrachten Tafeln sind allerdings zweisprachig - Deutsch und Englisch.
Die eigentliche Tour führt über Rampen und Treppen durch die verschiedenen Ausstellungsräume. Ungünstig für Familien mit Kinderwagen oder Menschen, die auf Rollstühle angewiesen sind, denn sie müssen immer wieder zum Lift zurück.
Ein bisschen Enttäuschung machte sich schon in den ersten Hallen breit. Die Räume sind ziemlich dunkel und die vielen Vitrinen mit den Ausstellungstücken sind oft nur spärlich beleuchtet. Man muss sich schon klar verabreden am Ausgang zur nächsten Halle zu warten, um sich nicht mangels Licht zu verlieren. Ich kann mir vorstellen, dass es für Familien mit kleinen Kindern, die man nicht ständig an der Hand behalten möchte, zu Stress führt. Fotografieren wird auch ziemlich schwer, denn ohne Stativ geht da wenig. Blitzen ist verboten und angesichts der Glasscheiben auch nicht sehr sinnvoll.

Die Exponate in den ersten Räumen waren entweder ausgestopft oder aus Plastik nachgebaut. Gelungen allerdings fand ich die Idee, Plankton zu vergrößern und unter die Decke zu hängen. Leider muss man, um das Anliegen der Ausstellung zu erfassen, sehr viel Lesen. Das führt relativ schnell dazu, dass man keine Lust mehr hat und sich nur noch einen groben Eindruck verschafft. Vielleicht ist die Teilnahme an einer Führung da hilfreich, wenn sich diese auf das Wesentliche beschränkt.

Hier noch ein paar Plastikobjekte. Qualle oben und Heringsschwarm unten.

Die Aquarien mit Bewohnern der Nord- und Ostsee sind schön gestaltet. Man darf nur eben keine Farbenpracht erwarten. Und da die Besucher ziemlich dicht vor den Glasscheiben stehen, bleibt einem manche Perspektive einfach verstellt. Permanent beschlich mich das Gefühl, anderen im Weg zustehen oder die Sicht zu versperren. Viele Besucher knipsten, was die Digicam aushielt. Ich frage mich nur, ob ihre Bilder ähnlich unscharf oder trist wie meine wurden
Ein wahrer Lichtblick hingegen ist das große Schwarmfischbecken. Das hat mir richtig gut gefallen und zum Verweilen und Genießen eingeladen. Wann kann man schon mal einen Heringsschwarm aus der Nähe betrachten und Freude am silbern schimmernden Tanz empfinden? Unglaublich schön. Ich wünschte, das gäbe es als Bildschirmschoner

Bevor man das Museum wieder verlässt, durchquert man einen Raum, der den Walen gewidmet ist. Die Modelle der Riesen der Meere hängen im Maßstab 1:1 in ihrer beeindruckenden Größe von der Decke herab. Nein, ich möchte kein Walfischfänger in einem kleinen Kahn gewesen sein.
Man kann sich auf Liegen legen oder am Rand auf Bänke setzen und im Dämmerlicht eine Multimedia-Inszenierung erleben. Walgesang und Merresrauschen erfüllen dann den Raum. Es gibt Informationen zu den Tieren und auch die Themen Walfang und Umweltverschmutzung werden aufgegriffen. Wobei ich ehrlicherweise zum Thema Walfang noch gerne mehr Infos gehabt hätte. Das Bild einer Harpune zu zeigen und dann auf die Japaner zu verweisen, war mir zu dünn. Vielleicht aber hat man hier Rücksicht auf zarte Kinderseelen genommen…
Nicht verkneifen konnte ich mir den Kauf eines Pins in Walform, den ich Marina nach dem Ausstellungsbesuch schenkte und sie bat, sich an Stralsund zu erinnern und kein Walfleisch zu essen. Erfahren haben wir dann, dass es das wohl in der Schule einmal? gab, es ihr aber nicht schmeckt.
Etwas über zwei Stunden verbrachten wir im Ozeaneum. Danach hatte niemand mehr Lust auf das Meeresmuseum mit seinen tropischen Fischen.
Ein kleiner Stadtbummel mit Eis essen und erfolgreicher Kanaldeckelmotivsuche beendete unsere Stunden in Stralsund.




Herrlich. wir waren ja im Dezember in Stralsund
Bilder sind bei mir im Blog
Einen Heringsschwarm gibt es auch in dem (zugegebenermassen recht kleinen) Aquarium in Kiel. Da der Schwarm in einem runden Becken lebt, zieht er fortwährend seine Kreise. Als sie nach dem Umbau die Heringe einsetzt hatten, hat es wohl nicht lange gedauert, bis sie ihre Lieblingsrichtung gefunden hatten – und dabei ist es geblieben….. Aber ich kann da stundenlang stehen und den “Ausreissern” zugucken…
Dafür sind die Eintrittspreise erträglich und die Seehunde kann man umsonst angucken (wenn sie denn Lust haben)..
Hi Tonari,
wunderschöne Bilder und bestimmt ein toller Tag!
Ich wollte mich kurz bei Dir melden und mich gleich für 3 Wochen verabschieden. Vielleicht können wir uns Anfang Juni auf ein Kaffee treffen? Ich würde mich freuen.
Bis bald und einen schöne Mai-Zeit wünscht Dir Ronja
Das Schwarmfischbeckenfoto ist super. Allein schon das Wort: Schwarmfischbeckenfoto. Hach. Wunderbar
@ wortman
Schöne Fotos hast du gemacht. Aber im Ozeaneum warst du nicht, oder?
@ hostmam
Die Seehunde müssen Lust haben, kostenlos angeguckt zu werden? Wie soll ich das denn verstehen
@ Ronja
Gerne, aber dann müssen wir es auf den Feierabend verschieben. Ich beginne nach Pfingsten meinen neuen Job und arbeite dann nicht mehr an alter Stelle.
@Miki
Schwarmfischbeckenfoto taucht bestimmt niemals als Suchbegriff auf
Bei der Wahl zwischen Ozeaneum und Rügen… sind wir lieber nach Rügen gefahren.
Wir waren ja nur ein WE dort.
@ Wortman
Nach meiner Beschreibung denkst du bestimmt: “Gute Wahl!”
Als ich das letzte Mal in Stralsund war, gabs dieses moderne Gebäude da noch nicht ^^
@ Schaps
Salopp gesagt: “Das haste nix verpasst.”
Woher wusstest du das, Tonari?
weibliche Intuition
hätte ich mir ja eigentlich denken können
Pingback: Neuer Touristenmagnet in Stralsund: Hundertwasser-Ausstellung in St. Jakobi : Ostsee Urlaub
doch genau so : die Seehunde müssen Lust haben sich draussen (=kostenlos) angucken zu lassen. Wird ihnen der Trubel zu viel schwimmen sie ins Innenbecken und dort haben Besucher keinen Zugang….
Hey, das nenn ich doch mal toll. Seehund müsste man sein
Nee, im Ernst – vielleicht treibt es uns mal nach Kiel und dann gönnen wir uns “dein” Aquarium.