Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann,
steht in den Herzen seiner Mitmenschen.
Albert Schweitzer
Eigentlich wollte ich heute über das Kirschblütenfest schreiben. Nein, denn eigentlich wollte ich es schon gestern Abend tun. Und dann lag da beim Heimkommen dieser Brief auf dem Küchentisch. Dieser Brief ohne Absender, mit unbekannter Handschrift addressiert und schwarzem Trauerrand. Da macht das Herz einen ziemlichen Sprung und die Hände zittern beim Öffnen.
Der beste Mitstudent von allen und ich müssen unendlich traurig Abschied nehmen von einem unserer Dozenten. Von einem, den wir mochten liebten; von einem, der sich vom damals herrschenden System nicht verbiegen oder vor den Karren spannen ließ; von einem, der Humor und dieses gewisse Augenzwinkern hatte; von einem, der uns Freude am Studium und seinem Fach vermittelte; von einem, der auch mal ein Bierchen mit uns Studenten trank und mit dem man offen über alles reden konnte; der zu unseren Seminargruppentreffen reiste und auch zum letzten gekommen wäre, hätte ihn nicht kurz zuvor ein Infarkt erwischt.
Seit vielen Jahren standen wir in lockerem Briefkontakt und hatten uns vorgenommen, ihn nach Marinas Abreise zu besuchen. Man sollte solche Dinge wirklich nicht auf die lange Bank schieben. Es rächt sich. Gemeinerweise.
In seinem letzten Brief schrieb er: In unserem Alter sollte man keine Unternehmungen mehr aufschieben, denn es heißt: “Fahren Sie erster Klasse, bevor es ihre Erben tun!” Optimistisch planen einige meiner Kommilitonen der TU ein Semestertreffen im Mai 2009. Es ist der 55. Jahrestag unseres Studienbeginns. Wie viele sich dazu noch einfinden werden ist ungewiß, denn die Jüngsten sind dann immerhin 74 Jahre alt.
Machs gut, Alfred. Wir hoffen, Du bist in der 1. Klasse gereist. Und sei gewiss: In unseren Herzen hast du einen festen Platz.
Und so sitze ich nun hier. Gestern noch wie gelähmt, die Information richtig zu verarbeiten, fließen heute ungehemmt die Tränen auf die Tastatur. Ich kann nichts dagegen machen. Einfach nur rinnen lassen. Sich der Vergänglichkeit bewusst werden. Dem knapp verpassten Wiedersehen nachtrauern. Und der weltbeste Tröster von allen sagt: “Mach dir keine Vorwürfe. Du hast noch einen wunderbaren Brief zum Jahreswechsel geschrieben.”


Ihr habt mein tiefes Mitgefühl.
*drückdich*
Liebe Tonari, ich fühle mit dir. *Umärmel*
Ja, so ungefaehr hatte ich gefuehlt, als mir eine Kommilitonin mitgeteilt hatte, dass unser Mathelehrer, der noch keine 60 Lenze zaehlen konnte, ploetzlich verstorben war. Er war wirklich einer der besten, interessantesten Professoren, die wir in Muenster hatten, und sein viel zu frueher Tod war schon ein schwerer Schlag.
Fuehle dich gedrueckt!
oh….Liebe Tonari
fühl dich fest gedrückt!
gute gedanken auch von mir
herzlichst, Rinaa
Ihr Lieben, ich danke euch wirklich von ganzem Herzen für eure Anteilnahme. Es würgt noch ein bisschen im Hals, aber sonst geht es wieder…
55 Jähriges Studienbeginndatum? Uh! Das ist lang her…
@ Schaps
Hm, stimmt, er ist 75 geworden und seine optimistischen Mitstudenten treffen sich nächsten Monat ohne ihn.
Oh Gott, ich bekomme schon wieder feuchte Augen…
Ich glaube, ich habe gerade den Sentimental-Blues