Ein bisschen aufgeregt war sie heute morgen am Frühstückstisch schon. Marina musste vormittags zum Bahnhof, denn sie will in der zweiten Ferienwoche verreisen. Zunächst in einen kleinen niedersächsischen Ort und anschließend ins Münsterland. Und da unser Resturlaub aus 2008 nun aufgebraucht und der für dieses Jahr schon gut verplant ist, muss sie es alleine machen. Alle Formalitäten mit ihrer Austauschorganisation sind geklärt, die Eltern in Japan hatten zugestimmt und ich mich um die Fahr- und Platzkarten gekümmert. Okay, zur Beruhigung der Gastmutternerven habe ich nur jeweils Züge mit Direktverbindung bzw. ohne Umsteigequal gelten lassen. Auf panische Anrufe wegen verpasster Anschlusszüge in Kleinkleckersdorf kann ich nämlich gut und gerne verzichten
Ihre Eltern schrieben uns, dass sie erstaunt sind zu lesen, dass Marina alleine reisen möchte. Aber sie glauben auch, dass es eine gute Chance für sie ist, daran zu wachsen und reifer zu werden. Ein weiterer kleiner Schritt in Richtung Selbständigkeit.
Noch haben wir nichts von ihr gehört und so denke ich: Keine Nachrichten sind gute Nachrichten
Und während ich hier schreibe, erreicht mich eben eine SMS von ihr, dass sie gut angekommen ist. *freu* Toll, dass sie daran denkt, uns zu beruhigen.


Na, das klingt doch gut. Darf ich mal 3 Fragen stellen? Ist Marina mittlerweile eigentlich schon 17 Jahre alt? Und weiß sie, dass du diesen Blog über ihren Aufenthalt verfasst?
Mich würde mal interessieren, wie das eigentlich in Japan mit dem Internet so gehandhabt wird. Sind da auch spezielle Seiten gesperrt oder andersrum nur einzelne erreichbar wegen der Zensur? Wie ist das dort?
Und noch eine weitere Frage.. ich lese deinen Blog ja erst seit ungefähr Dezember und den Linden. Habt ihr auch schonmal zusammen Sushi gemacht?
So, das wärs dann erstmal…
@ Semmy
Na klar, darfst du fragen
Marin hat ihren 17. Geburtstag Anfang Noveber mit/bei uns gefeiert. Sie weiß, dass ich blogge und hat nichts dagegen. Sie kennt diese Seite, guckt gelegentlich mal drauf. Manchmal auch mit mir zusammen. Bevor ich Bilder einstelle, auf denen sie zu sehen ist, frage ich. Ich versuche aber, solche Aufnahmen zu minimieren.
Auch ihre Eltern wissen vom dem Blog und schauen gelegentlich mal vorbei. Sie lassen dann google übersetzen und ich möchte lieber nicht wissen, was dabei heraus kommt
Marinas japanisch-Lehtrerin liest mit un dich glaube, auch einige Freunde aus der Schule.
Mein eigentliche Anliegen für das Bloggen war, Kontakt zu anderen Gasteltern zu finden, um sich austauschen zu können. Das hat bis her wenig bis nicht funktioniert. Vermutlich läuft es bei uns zu glatt oder es gibt hierfür kein wirkliches Interesse.
Japan ist nicht China. Soweit zum Thema Internetzensur. Ich wüsste nicht, dass sich Japan anders verhält als andere westliche Nationen. Aber Expertin bin ich natürlich nicht.
Sushi haben wir noch nicht gemeinsam gemacht, aber natürlich schon gemeinsam gegessen. Japans Küche hat so viele interessante andere Rezepte, dass ich heilfroh bin, wenn wir über Sushi hinaus kommen
Noch Fragen übrig? Nur zu!
Jeder der einen Gastschüler hat und über diese spannende Zeit bloggt weiss um die Privatsphäre der Gastkinder…solange alles der Wahrheit entspricht und dem ansehen der Kinder nicht schadet sind solche Blogs eine sehr schöne Bereicherung.
Ich mag deine Schreibe und Marina scheint ein sehr liebes Mädchen zu sein die viel mit nach Hause nehmen wird und in ihrem Land wird sie nach ihrer Rückkehr, eine Selbstständigkeit haben die sicherlich nicht selbstverständlich ist.
Ich kann dich gut verstehen das du aufgeatmet hast als die SMS kam. Mein jüngster Sohn fährt schon seit seinem 12 Lebensjahr hin und wieder alleine mit dem Zug, anfangs hab ich auch nur Direktverbindungen herausgesucht, leider ist das nicht immer möglich. Mittlerweile ist er stolzer Besitzer einer Bahncard und reist sehr selbstständig innerhalb Deutschlands.
Loslassen etwas zutrauen ist für uns Eltern nicht einfach aber für die Kinder ob Gast oder Eigenen sehr wichtig!
Schöne frei Gastkind Woche!
Liebe Grüße Bonafilia
Zum Thema Internet und Internetzensur kann ich nur sagen, dass Internet oder Messenger etc. in Japan bei weitem nicht so verbreitet sind, wie man das von einem solchen Technologieland erwarten koennte. Einer der Gruende ist z.B., dass hier viel mehr einfach uebers Handy, Handymail und Handyinternet passiert. Und dann oft doch eher ins neueste Handy investiert wird, dass preislich nur unwesentlich unter den preiswertesten Laptops liegt.
Es hat sich in den letzten Jahren etwas verbessert, aber die Tatsache, dass Japan in der 10. Klasse immer noch “Infuehrung in Computer” als Fach braucht, sagt doch schon vieles. Dabei sind Windows, Word und Excel Hauptthemen.
Zur Zensur kann ich nur sagen, dass zumindest grundlegend eine Zensur nur durch Anbieter erfolgt, die aber anscheinend auch nicht vielsagend ist. Ein grosses Thema in den Medien waren z.B. unmoderierte Diskussionsforen, wo teilweise Hetze gegen Schueler mit einschliesslicher Offenlegung persoenlicher Daten und/oder Bildern erfolgte, dass das wohl der Grund oder zumindest Ausloeser fuer Schuelerselbstmorde war. Und auch wenn fuer Kennenlernseiten eigentlich fuer Volljaehrige gedacht war, so haben auch Schueler daran teilgenommen, was in einigen Faellen zur Einsperrung ueber laengere Zeit, in einigen Faellen sogar zum Mord an Maedchen fuehrte. Und um Kinder davor zu beschuetzen, fuehrten z.Z. diverse Instanzen Diskussionen, solche Seiten zu sperren oder zensieren oder sonst irgendwie den Zugang fuer Minderjaehrige unmoeglich zu machen.
Ich denke aber mal, die Hauptzensur liegt immer noch darin, dass selbst nach 6 Jahren mit gerne mal 6-10 Wochenstunden Englisch die Woche Japaner unfaehig sind, die einfachsten Texte auf Englisch zu lesen und sie so nur auf das, was ins Japanische uebersetzt wurde, zugreifen koennen. Und auch wenn man nicht direkt von Zensur sprechen kann, so doch gerne von Einseitigkeit und unguter Homogenitaet und Trivialitaet.
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Was deine berechtigen Sorgen zum Datenschutz angehen, so verwende ich z.B. keine Namen, entweder Initiale oder Pseudonyme / Titel, ja selbst Ortsnamen nur aeusserst spaerlich, damit die Identitaet der Leute gewahrt bleibt. Und Fotos verwende ich so wieso nicht sooo gerne, sollte es sich einmal nicht umgehen lassen, dann werde ich den Artikel durch ein Passwort absichern.
Ich hoffe, dass das deine Frage etwas beantwortet hat.
Liebe Gruesse
Higanbana
Meine Gasttochter reist seit Anbeginn fast jedes Wochenende mit dem Zug durch Deutschland.Kiel,Hamburg,Dresden,Leipzig,Rostock…
und weiß Gott wohin.In den Ferien standen Belgien,Niederlanden,Italien auf dem Plan.Alles allein,bzw.mit anderen Austauschschülern.
Jetzt werden Prag,Spanien usw anvisiert,auch als Tagesausflug.
Sie ist ja nur einmal in Europa und will das nutzen.Ihre Eltern unterstützen das.
Die Austauschorg. nickt auch alles ab.Nur das gemeine Verbot meinerseits führte dazu,dass sie wenigstens Weihnachten und Ostern in der Familie verbrachte.
Tja,so unterschiedlich sind die Austauschschüler.
@ Bonafilia
Schön, dass du das mit dem Loslassen geschrieben hast. Ich habe nämlich festgestellt, dass es mir bei den eigenen Kindern deutlich leichter fällt als bei einem anvertrauten Kind. Zumal, wenn man es denn so gut eben doch nicht kennt.
@ Carmen
Ich freue mich wirklich, dass du hier immer mal wieder vorbei schaust.
Spannend, was du berichtest und wirklich so ganz anders als bei uns. So ganz glücklich wirkst du aber mit der Situation auch nicht, oder? Ginge mir bestimmt ähnlich. Das richtige Maß zu finden, scheint nicht ganz einfach zu sein.
Darf ich fragen, ob du auch eine Japanerin aufgenommen hast?