drei Monate

Sechs Monate wohnt Marina nun schon bei bzw. mit uns. In drei Monaten werden wir Abschied nehmen müssen.
Die eigentlich geplante Verlängerung ihres Austauschjahres wegen der Exkursion mit der Klasse wird nun höchtwahrscheinlich nicht mehr zu Stande kommen. Die SchülerInnen haben es nicht geschafft, eine solche Klassenfahrt zu organisieren. Aus welchen Gründen auch immer.  Viel Wind am Anfang und dann eine grandiose Flaute ;-) Momentan ist wohl eine Wochenendfahrt im Gespräch, aber auch hier steht kein genauer Termin fest. Wir werden uns überraschen lassen (müssen).

In den kommenden Wochen steht noch so einiges an kleinen Reisen und Ausflügen auf unserem “Veranstaltungsplan”:

  • Leipzig
  • Dresden
  • Stralsund
  • Spreewald
  • Potsdam

Und auch Berlin hat noch etliches Unbekanntes für Marina zu bieten. Beispielsweise mussten wir neulich anläßlich ihres großen Staunens über das Sony-Center  auf einer Ansichtskarte feststellen, dass sie zwar mit einer Freundin am Potsdamer Platz gewesen war, aber aus den Shopping-Arcaden nicht heraus gekommen ist bzw. nur Augen für den dortigen kleinen Weihnachtsmarkt hatte ;-)

Ich finde  es ein wenig schade, dass Marina sich die Stadt nicht mit ihren Schulfreundinnen erschließt oder Eigeninitiative zeigt. Es gäbe doch hier wahrlich so viel zu entdecken: den Reichstag mit der Kuppel, das Naturkundemuseum, das Schloss Charlottenburg, vielleicht die Museumsinsel und, und, und.  Vermutlich würde die eine oder andere Freundin etwas mit ihr gemeinsam besichtigen, wenn sie sie darum bitten würde. Tatsächlich aber erkunden sie allsonnabendlich die Shopping-Center.

Und so bin ich / sind wir hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, ihr vielfältige Erlebnisse und Erfahrungen zu ermöglichen und der Erkenntnis, dass wir sie damit vielleicht “überfahren”.

Gerade habe ich etwas Mühe, treffend zu formulieren, was mir so im Kopf herum geht…

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14 Antworten zu drei Monate

  1. hostmam schreibt:

    Kommt mir bekannt vor, irgendwie scheint in einem bestimmten Alter “fremde Städte erkunden” mit “fremde Shoppingmalls erkunden” gleichgesetzt zu werden. Obwohl ich zu meiner Schande gestehen muss dass auch ich an einem langen Pariswochenende bestimmt einen halben Tag im “Printemps” verbracht habe.
    Trotzdem ärger auch ich mich ein bisschen fremd, dass aus einem Riesenstapel von Möglichkeiten immer wieder die gleichen Karten gezogen werden. Und Ausgehabende werden hier am liebsten mit Landsleuten (bzw. Gleichsprachigen) verbracht. Vielleicht sind es wirklich sooo viele Eindrücke, dass der Rückzug auf bereits Bekanntes ein Schutz vor Reizüberflutung ist.
    Schade – einfach nur schade….

  2. tonari schreibt:

    Lange habe ich eben überlegt,
    was mit “Ausge-Habende” wohl gemeint sein könne :lol: und jetzt musste ich sooo lachen über meine Dussligkeit *prust*

    Ausgeh-Abende finde eigentlich kaum mehr statt. Ein paar Party-Einladungen gabs nur am Anfang. Vielleicht liegt es an Marinas Alkohol-Abstinenz ;-) (und das ist auch gut so)
    Landsleute finden sich auch nicht von alleine. Das Problem haben wir zum Glück nicht.
    So aber verpasst sie soooo viele Möglichkeiten. Und wir können und wollen nicht immer die Animateure geben. Manchmal bin ich mir aber nicht sicher, ob sie das erwartet. Ach ja, Fragen über Fragen.

  3. semmy schreibt:

    Das ist echt verzwickt. Ich kann deine Unsicherheit da durchaus nachvollziehen. Hast du sie mal gefragt, ob sie von euch mehr “Input” haben will? Ich stell mir das mit gleichaltrigen Mitschülern schwierig vor mit der Erkundung der Stadt.

    Unbestritten ist es so, dass Berlin jede Menge zu bieten hat. Daher liebe ich diese Stadt ja auch so sehr. Allerdings liebe ich auch meine Heimatstadt und ich verbringe sehr wenig bis gar keine Zeit sie richtig zu erkunden. Vielmehr ist es so, dass ich mich damit nur auseinandersetze, sobald ich selbst Besuch habe, der gerne etwas sehen möchte.

    Möglicherweise ist das ja bei Marinas Mitschülerinnen genauso. Jetzt, wo ich älter bin (als zu Schulzeiten) interessiert mich die Geschichte meiner Stadt und anderer Städte auch mehr. Ich höre zu, achte auf Kleinigkeiten. Aber als Teenager? Nee, eigentlich nicht wirklich.

    Ich glaube, du solltest dich nicht so verrückt machen. Natürlich wäre es schade, wenn sie das Gefühl hätte nicht alles gesehen zu haben, obwohl sie dafür eigentlich ausreichend Zeit hatte. Aber womöglich ist das wirklich gar nicht ihr Anspruch.

  4. Gundi schreibt:

    Ich glaube, dass ist einfach dem Alter und vielleicht dem Menschentyp geschuldet. Meine Lieblingstochter war ein Jahr quasi vor den Toren Vancouvers (halbe Stunde mit dem Bus) und kennt die Stadt eigentlich gar nicht. Sie hat es nicht geschafft nach Seattle zu komen oder andere Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Sie ist kein Shoppingtyp aber kennt dafür jetzt alle Sportstätten von Vancouver und Umgebung.
    Tja, und jetzt studiert sie schon fast ein Jahr in Wien, aber die einzigen Museen und Ausstellungen, die sie dort gesehen hat, hat sie während meines Besuches dort angeschaut. Ich nehme das halbwegs hin und tobe mich an unserem 15 jährigen Sohn aus, der wesentlich mehr Interesse zeigt.

  5. tonari schreibt:

    @Semmy
    Das wirklich Verzwickte daran ist, dass ich mir bei gestellten Fragen nicht sicher sein kann, nicht vielleicht doch eine höfliche oder “erwartete” Antwort zu bekommen.
    Und ja, ich glaube auch, dass Teenies nicht wirklich eine Antenne für “verpasste Chancen” haben. Vielleicht setzte ich mich nur zu sehr unter Druck, dem Gastkind viel möglich zu machen. Und vermutlich reicht es ihr, sagen zu könne, sie sei in Berlin gewesen…

    @ Gundi
    Freut mich, dass du kommentierst. Willkommen und gerne öfter ;-)
    Mein Töchterlein hat in Japan immer ein bisschen darunter gelitten, dass man sie alleine nicht hat machen lassen (weil alles angeblich gefährlich war), aber gemeinsam auch nur wenig unternommen hat. Vielleicht wollen wir es hier deshalb besser machen.
    Ich schreibe vor allem darüber, weil ich ziemlich verunsichert bin, ob sie nicht im Nachhinein ihre verpassten Gelegenheiten betrauert.

  6. bonafilia schreibt:

    oh, da kannst du nichts machen, in dem Alter heißt eine Stadt kennenlernen eben alles zu wissen was die verschiedenen Shoppingcenter so hergeben.
    Am besten kauft sich Marina noch ein großes Bildband über Berlin, und Leo über Teipei, dann sehen sie zuhause wenigstens wie nahe dran sie an doch so interessanten Orten waren! :grin:

    Du kannst es vorschlagen….den einen oder anderen Ort noch zu besuchen, aber manchmal sehen die Augen der Jugendlichen obwohl sie geöffnet sind ganz andere Dinge!

    LG Boanfilia

  7. tonari schreibt:

    @Bonafilia
    Vermutlich haste Recht und ich sollte mich entspannen ;-) Ehrgeizige Gastmütter sind eben anstrengend ;-)

  8. Barbara schreibt:

    Ich denke auch, dass es wesentlich vom Alter abhängig ist. Meine Eltern hatten vor mehr als zehn Jahren eine Japanerin für etwa ein Jahr zu Gast (damals habe ich auch noch bei ihnen gewohnt). Sie war schon um die 30, Musiklehrerin und als Praktikantin in Deutschland. Natürlich auch entsprechend interessiert an Kultur usw., was es für uns ziemlich leicht gemacht hat, entsprechende Orte auszusuchen.

  9. Schussel schreibt:

    Ehrlich gesagt weiss ich nicht, ob es nur das Alter ist. Als ich als AuPair ein Jahr in den USA war, habe ich in den ersten Wochen ständig etwas besichtigt: die Stadt, die Umgebung, Museen, … wie ein Tourist eben. Irgendwann war es aber mehr ein Zuhause, und das war dann die Zeit, in der ich an den Wochenenden eher die Shoppingmalls und Kinos besichtigt habe als die Stadt (die bestimmt noch viel zu bieten gehabt hätte). So ähnlich, wie man oft auch seine eigene Heimatstadt nicht in allen Ecken kennt und erst dann wieder erkundet, wenn mal fremder Besuch da ist.. oder geht das nur mir so?

  10. zimtapfel schreibt:

    Und dabei wird sie bestimmt von manch anderen Austauschschülern oder Au Pairs total darum beneidet, das sie es so gut getroffen hat und in Berlin gelandet ist! Und sicherlich wird sie sich in einigen Jahren sehr darüber ärgern, die Gelegenheit nicht genutzt und sich nicht mehr von der Stadt angesehen zu haben.
    Aber ich weiß nicht, ob das nicht bei mir in dem Alter ähnlich gewesen wäre. Mit 16 beim Schüleraustausch in England war Shopping doch das interessanteste.

  11. tonari schreibt:

    @ Barbara, Schussel und Zimtapfel

    Herzlich willkommen euch dreien hier. Ich freue mich über eure Kommentare :-)
    Uns geht es auch so, dass wir manche Gegenden der Stadt nur dank unserer Besucher immer wieder neu entdecken.
    Ich bin mir nicht sicher, ob wir unsere Gasttochter zum Sightseeing immer ein bisschen “zwingen” und sie es dann gut findet oder eben mitnimmt, was kommt oder ob sie erwartet, dass wir ein Kulturprogramm für sie starten oder es auch gut wäre, wenn nix passiert. Immerhin ist sie zu Hause ein Rundum-Sorglos-Paket gewöhnt. Freizeit hat sie kaum. Schule, Hippo-Club, einmal wöchentlich Klavierunterricht. Selbstorganisation ist dabei eigentlich nicht erforderlich.
    Vielleicht ist sie es nur nicht gewöhnt. Dann wäre meine Erwartungshaltung ungerecht und damit gehe ich ziemlich um.

  12. goldmarie12 schreibt:

    Auf deiner Liste fehlt WIEN!!! Das ist doch schade! Und so weit ist´s auch nicht mehr! Von Dresden seid ihr fast schon da! Überleg doch noch mal……..
    Welcome!

  13. tonari schreibt:

    @ Goldmarie

    Sorry, aber der Katzensprung von Dresden ist dann doch zu groß ;-) Und Dresden ist voll Kultur gepackt, sag ich dir. Inklusive Konzert in der Semperoper *freu*.
    Aber WIEN kommt. Bestimmt. Nur nicht in diesem Jahr. Aber vielleicht im kommenden mit dem Töchterlein. Mit Männe war ich 2004 in Wien während Dana in Japan war.

  14. Andrea schreibt:

    viel Spaß in der Semperoper, die ist wunderschön! Was hört ihr euch denn an?

    Hm, in dem Alter ist es eben normal, alle Shoppingmalls einer Stadt zu kennen, nicht die Museen und Sehenswürdigkeiten ;)

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