Worüber wir uns im Familien- oder Freundeskreis in der Kommunikation mit Marina bisher keine Gedanken gemacht haben, sind die beiden Anredeformen Du oder SIE.
Dana ist aufgefallen, dass Marina ihre Lehrer duzt. Für mich ist das kein Problem, aber wir werden ihr der Form halber sagen müssen, dass es auch in unserer Sprache Höflichkeitsunterschiede gibt.
Richtig vermitteln muss man es vielleicht nicht, weil es das ohnehin schon schwere Erlernen der Sprache und der Grammatik nur zusätzlich verkompliziert. Oder sollten wir das gelegentlich mal trainieren?
Wie geht ihr damit um – Goldmarie, Bonafilia, Carmen oder all die anderen?
Interessanterweise gibt es auch viele Deutsche, die, sobald sie mit einem Ausländer sprechen, automatisch ins DU verfallen. Entgegenkommen oder Diskriminierung?
In Japan gehört es ebenfalls zum guten Ton, je nach Rang und Stellung des Gesprächpartners die Höflichkeit der Sprache zu verändern. Allerdings ist das ist das System viel, viel komplexer als bei uns. Die Sprache signalisiert dabei Respekt oder Bescheidenheit. Und dann gibt es auch noch eine andere Sprache unter Männern als unter Frauen. Kompliziert!
ui – erwischt! Das weiß ich nicht mehr…..
Mir passierte eher das Gegenteil: A-chans Freunde, die heuer eine Woche bei uns wohnten, sprachen mich mit „Sie“ an – wahrscheinlich weil sie das auf der Uni in Tokyo so gerlernt haben. Das war mir unangenehm, weil sie doch immerhin da wohnten.
Meine instinktive Meinung dazu ist, dass du die geeignetste Person bist, die der Marina das erklären kann mit dem vertrauten „Du“ und dem höflichen „Sie“ Sprachlich macht das keinen so großen Unterschied, wei es ja dann nur mehr um die zu verwendende Nenneform geht – das hat sie sicher bald heraus.
Eine Anekdote: Meine SChülerinnen fragten ein ganzes Jahr lang, ob ich mit der Gasttochter wohl ENGLISCH spreche. Sie konnten sich einfach nicht vorstellen, dass ein japanisches Austauschkind DEUTSCH lernen würde. So ist das wahrscheinlich auch mit dem ausländer-Du. Da fehlt vielen Menschen die Phantasie……
Liebe Grüße aus Wien
Witziges Geschichtchen. Auch ich werde/wurde immer wieder gefragt, ob wir Englisch reden. Und wenn ich dann erzähle, dass das japanische Englisch nahezu unverständlich ist und sie auch wenig trainiert ist, was wirkliche Konversation betrifft, dann ernte ich Erstaunen.
Naja, beim SIE hängt ja auch noch die andere Verbform dran: „Hast du…?“ oder „Haben Sie…?“ ist doch ein kleiner Unterschied.
Vielleicht warte ich noch ein bisschen.
Ich habe meine Lehrer in Japan auch „geduzt“. Das hat zum Glück niemanden gestört!
Bei der Teezeremonielehrerin wäre es mir peinlich gewesen, weil alle anderen ihr gegenüber noch höflicheres Japanisch verwendet haben. Aber da hat meistens ein „ja“ und eine Verbeugung gereicht^^.
Ich glaube, Marina tut sich mit der Konjugation der Verben im Moment noch etwas schwer. Allerdings hat sie das Thema von sich aus schon einmal angesprochen. Sie wollte wissen, ob ich meine Eltern sieze, wenn wir einen Streit hatten. Das sei in Japan durchaus üblich, um Distanz auszudrücken!
Hallo,
also die Deutschkollegstudenten in Muenster haben zuerst die Sie-Formen gelernt, weil zu hoeflich weniger schlimm ist als zu unhoeflich.
Die Sie-formen sind auch viel leichter, weil da immer die gleiche Form verwendet wird und auch nicht nach Singular und Plural unterschieden werden muss. Auch ein Grund, warum bei Deutschlernenden oft mit den Sie-Formen angefangen wird. Weil da die Infinitivform einfach so verwendet werden kann.
Sie gehen… .
Gehen Sie…?
Gehen Sie bitte die Strasse entlang!
Dagegen vergleicht mal die du-, ihr-Formen und die dazugehoerigen 2 Imperativformen.
Ich wuerde auf alle Faelle die Sie-Form mit ihr trainieren, weil sie einfach auch notwendig ist. Vielleicht kann man es ja auch mal so machen, dass man mal 2 Wochen oder so sich darauf einigt, sich zuhause mit der Sie-form anzusprechen. Ich habe das mal mit Freunden ausgemacht, um die hoeflichen Formen (also die Sonkei-Formen) sprachlich zu ueben. Das hat unwahrscheinlich geholfen. Und seither habe ich wenig Probleme damit, und Japaner sind nicht wenig erstaunt, die Formen aus einem Auslaendermund zu hoeren, wogegen die eigenen Kinder sich damit immer abquaelen.
Ich koennte mir vorstellen, dass die Auslaendern gegenueber Du benutzenden Deutschen dem gleichen Denkschema wie viele Japaner verfallen, die einfach von ihrer eigenen Lernerfahrung ausgehen. Deutsche Kinder muessen die Sie-Formen erst bewusst lernen, weil sie nie mit diesen Formen angesprochen werden und sie sie hoechstens mal hoeren, wenn Mama oder Papa mit anderen nichtbefreundeten Erwachsenen sprechen. Daher wirkt die Du-Form leichter als die Sie-Form. Vom Auslaenderstandpunkt gesehen ist aber die Sie-Form viel einfacher, weil die Verben in der Ausgangsform verbleiben. Das koennen sich die „Du-Leute“ wahrscheinlich einfach nicht vorstellen.
Da gibt es doch den schönen Witz, daß ein Weißer beim Essen in der Kantine einem Schwarzen gegenübersitzt und aufs Essen deutet und fragt: Ham Ham gut? Der Schwarze nickt. Der Weiße deutet aufs Glas und fragt: „Gluck Gluck gut?“. Der Schwarze nickt. Am nächsten Tag sind beide auf einer Tagung. Der Schwarze hält in perfektem Deutsch einen Vortrag. Danach sieht er den Weißen und fragt: „Bla Bla gut?“.