Den Tipp bekamen wir von Danas ehemaliger und Marinas jetziger Japanisch-Lehrerin und er führte uns gestern Abend ins ausverkaufte TIPI am Kanzler(innen)amt. Nein, das ist nicht der zeltgewordene Zweitwohnsitz der Frau Merkel, sondern ein Ort richtiger Kultur und Unterhaltung. Und diese wurde uns exzellent dargeboten von Jocelyn B. Smith.
“My Christmas Experience” heißt/hieß das Programm. Es sollte uns einstimmen auf die kommenden Weihnachtsfeiertage und zugleich ein wenig das Tempo aus dem Vorbereitungsstress nehmen.
Weihnachtslieder gab´s also auf die Ohren. “Little drummer boy” ebenso wie “Silent night” und “Rudolph the rednosed reindeer”. Alle Stücke kamen aber in neuem Gewand daher. Als jazzige, soulige Adaption, als Reggae allerdings für meinen Geschmack seeeehr gewöhnungsbedürftig. Etwas anders eben.
Die Stimme der Sängerin ist einfach umwerfend. Man konnte ihr und der fünfköpfigen Band anmerken, dass sie jede Menge Spaß beim Miteinandermusikmachen haben. Sie selbst ist auf der Bühne sehr präsent. Beherrscht die Töne mal ganz leise & zart, dann wieder unerwartet laut und kraftvoll. Spult nicht nur einfach einen Titel nach dem anderen ab, sondern lockert die Stimmung durch kleine Geschichtchen am Rande auf.
Leider sprang anfangs der Funke nicht so richtig aufs Publikum über. Berliner sind eben keine wirklichen Frohnaturen, sondern eher etwas steif. Und der Aufforderung der Sängerin aufzustehen, konnte man zwischen der recht engen Bestuhlung und vor den gedeckten Tischen kaum nachkommen. Erst während der Zugaben lockerten sich Stimmung und Zuhörer. Manche trauten sich nun sogar, gemeinsam mit der Sängerin auf der Bühne zu tanzen.
Marina hatte, so glaube ich, eine andere Erwartungshaltung, was Weihnachtsmusik betrifft. Ihr war anzumerken, dass wir sie mit diesem “Ausflug in eine andere Musikwelt” überfordert hatten. Höflich aber fand sie das Konzert “omoshiroi” (interessant).


