Wie alles begann…

Unser Abenteuer Gastfamilie nahm vor ca. 2 Monaten seinen Anfang und so trage ich mich seit einiger Zeit mit dem Gedanken, darüber in loser Folge zu berichten.

Ich werde in den kommenden Tagen (Wochen?) mich mit dem Einrichten dieses webblogs beschäftigen, bitte aber um Nachsicht, wenn nicht alles gleich so klappt, wie man meinen möge.

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Manche Dinge beginnen ganz unspektakulär.

Am 4. Juni hatte ich einen arbeitsfreien Tag und erst mittags den geplanten Termin beim Augenarzt. In den Vormittagsstunden surfte ich also ein bisschen durchs Internet, um auf einer Seite mit Pressemitteilungen hängen zu bleiben. Die Schlagzeile lautete:

„Offene Tür“ für Marina aus Japan gesucht

Dazu gab es ein Foto eines sympathisch lachenden Mädchens und u.a. folgenden Text:

Die 17 jährige Marina (Japanerin) wird von Anfang September 2008 bis Ende Juni 2009 in Deutschland bleiben. Während dieses Aufenthaltes möchte sie ihr Deutsch verbessern (sie lernt Deutsch seit einem Jahr in der Schule) und mit Hilfe einer liebevollen, offenen und engagierten Familie eine schöne und eindrucksreiche Zeit verleben.
Familienanschluss, viel Sprechen und Lernen, das sind Marinas Prioritäten. Außerdem liebt sie klassische Musik und spielt bereits seit 11 Jahren Klavier. Somit würde sich die aufgeweckte Japanerin sehr über eine musikalische Gastfamilie freuen, die mit ihr diese Leidenschaft teilt. Wer Zeit, Interesse und ein Bett zur Verfügung hat, kann schnell Teil dieses japanisch-deutschen Völkeraustausches werden und bei einer spannenden Entdeckungsreise unterstützend zur Seite stehen.

Meine ersten Gedanken waren: „Oh, wie nett. Und so viele Parallelen zu meiner eigenen Tochter.“

Und exakt in diesem Moment stand Dana in der Tür, die an diesem Tag erst später zur Uni musste.
Ich zeigte ihr das Bild und die zugehörigen Zeilen der Austauschorganisation. Und prompt folgte die Reaktion: „Wollen wir sie nicht aufnehmen? Guck mal, ehe sie in einer Familie landet, die kein Klavier haben oder nur ein ganz kleines Keyboard!“

Hm, eigentlich war der Gedanke nicht absurd. Wir hatten in der Familie nach der Rückkehr unserer eigenen Tochter aus ihrem eigenen Austauschjahr in Japan (!!!) bereits wage mal darüber gesprochen, irgendwann das Abenteuer Gastfamilie beginnen zu wollen. Aber nun so plötzlich? Und gerade war nach dem Auszug unseres Sohnes das kleine Zimmer mein Computer-, Bügel und Kramraum geworden, in dem sich auch kein Bett befindet. Alles wieder umräumen? Den just gewonnenen Platz wieder aufgeben? Und wie komme ich dann an den Computer bzw. ins Internet?

Dana verließ das Zimmer, ich surfte weiter.

Keine zehn Minuten später stand sie wieder in der Tür und meinte, dass Marina doch in ihr Zimmer ziehen könne, denn da stünde ja auch das Klavier zum Üben und Spielen. Und sie selbst würde hier in das kleine Zimmer ziehen für diese Zeit, dann wäre der Umräumaufwand nicht so groß und ich könne auch immer an meinen PC. Und überhaupt, sie sähe doch sehr fröhlich aus…

„Okay, aber wir müssen das heute Abend mit Papa besprechen.“ Mutter und Tochter waren sich einig.

Während meines Besuches beim Augenarzt ging mir das Geplante nicht aus dem Kopf. Ich war schon ein bisschen gespannt darauf, wie mein Mann reagieren würde, mir aber ziemlich sicher, dass er nichts dagegen hätte.

Endlich kam er dann auch von der Arbeit nach Hause.
Dana begann „Guck mal, die Mama hat Manga-Augen.“ (Die Pupillenerweiterung der Augenuntersuchung wirkte noch.) Und ich stieg ein mit „Apropos Manga. Ich hab da heute im Internet…“ es folgte die ganze Story vom Finden der Presseinfo über Danas Umzugsangebot bis zu der Sache mit dem Klavier. Meines Mannes Antwort lautete „Okay, dann machen wir das so.“ Upps. Ich gab noch zu bedenken, dass damit aus unserem geplanten Jahresurlaub im Oktober/November in Südostasien aber nichts wird, weil wir dann bereits ein Gastkind hier haben werden. „Dann verschieben wir es. Kein Problem. Ruf an, Dana, dass wir Marina aufnehmen wollen.“

Gesagt, getan. der erste aufgeregte Anruf in Köln bei der Austauschorganisation. Ein bisschen nervös waren wir schon, zumal nicht klar war, ob sich nicht schon andere Gasteltern für Marina gemeldet hätten. Der Aufruf im Internet war immerhin schon vom 30. Mai, also 5 Tage alt.

Der erste Kontakt mit Open Door International war supernett. Unsere Tochter schilderte, dass wir Marina gerne für das Austauschjahr aufnehmen möchten und warum wir dies tun wollen. Wir wurden gebeten, auf der Homepage einen Fragebogen auszufüllen und diesen abzuschicken. Dann würde man sich wieder melden. Also stürzte die ganze Familie an den Computer als ob das schnellstmögliche Beantworten der Fragen den ersten Preis, also Marina, ergeben würde.

Neben den allgemeinen Fragen zur Familie (Namen, Alter, Berufe, Anzahl und Alter der Kinder etc.), dem Wohnort und Gewohnheiten (Raucher?), vorhanden Hobbys auch die Frage nach vorhandenen Musikinstrumenten. Schnell und unkompliziert zu beantworten. Also noch einmal alles kontrollieren und … abschicken. Puh. Und nun? Warten? – Error! Oh, nein!

Noch ein Anruf in Köln und die bange Frage, ob denn trotz der Fehlermeldung alles angekommen sei, Ja, es war. Alles in Ordnung. Die örtliche Betreuerin würde sich bei uns in den kommenden Tagen melden.

So, und erst einmal tief durchatmen und den Blutdruck langsam absenken…

Eine Stunde später, wir waren gerade beim Abendbrot, klingelte das Telefon. Es meldete sich – genau – die ehrenamtliche Mitarbeiterin, die für uns zuständig war. Oh, das ging ja schnell. Es folgte ein längeres Gespräch über unseren Wunsch, ein Gastkind aufzunehmen, Danas eigenes Austauschjahr in Japan, das Gymnasium, auf das Marina bestimmt würde gehen können und in dem man auch Japanisch lernen kann und natürlich auch über Marina selbst. Die Betreuerin las uns Marinas wirklich sehr herzlichen Gastfamilienbrief vor und konnte kaum glauben, dass unser Entschluss heute eigentlich erst im Laufe des Tages „gereift“ ist. Nachdem wir keinen Zweifel daran gelassen hatten, dass wir uns alle auf Marina freuen, wurde besprochen, den Besuch der Betreuerin auf Anfang September zu legen, um sich ein Bild von den Wohnverhältnissen zu machen, die Marina erwarten werden. Während wir weiter und weiter telefonierten – ich hatte auf laut gestellt, mein Mann und meine Tochter hatten inzwischen das Essen Essen sein lassen und lauschten mit – bekamen wir bereits eine Mail mit Marinas Bewerbungsunterlagen und somit weitere Informationen. Dann folgte unsere mündliche Zusage und die vorsichtige Frage, ob wir denn über die erhaltene email-Anschrift schon Kontakt mit unserer Gasttochter und –schwester aufnehmen dürfen. Und natürlich dürfen wir.

Das Herz hüpft. Kein Hunger mehr. Nur noch allgemeine Aufgeregtheit und der Plan, morgen gemeinsam einen netten Gastfamilienbrief für Marina zu entwerfen…

Was für ein Tag!!!

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3 Antworten zu Wie alles begann…

  1. bonafilia schreibt:

    wow…wie spannend.

    Da so viele Paralellen zwischen euch und Marina bestehen ist das euer Schicksal. Das war vorher bestimmt das es so kommen soll.

    Ich ineugierig was du zu berichten weißt, aber bis dahin bin ich ja schon ein alter Hase als Gastmutter *grins* :???:

    Zu WordPress, das mit der Schrift ist mir auch ein Rätsel, ansonsten sieht doch nett aus…..wird immer mehr werden von ganz alleine!

    LG bonafilia

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  2. Andrea schreibt:

    jetzt, nach über einem Jahr, ist das schon Geschichte. Aber wie du es beschrieben hast, einfach schön. Ich kann mir gut vorstellen, wie aufgeregt ihr ward, als der Beschluss gefasst war. Und nun ist schon alles wieder vorbei … War aber eine tolle Zeit, oder?

    Und wir haben mitlesen, mitfühlen, mitlachen und mitweinen dürfen – danke!

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  3. FantaMama schreibt:

    Und heute ist Marina schon wieder weg und zurück in der Heimat … so vergeht die Zeit … .

    Du hast so einen lebendigen ersten Artikel geschrieben (wie halt heute immer noch :-)) – wunderbar!

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